Auf geht es, Helgoland wir kommen!

Nachdem wir am Abend vorm Start unserer Nordseepassage noch mit Ach und Krach ein einigermaßen vernünftiges Restaurant in der ansonsten mit Fast-Food-Restaurants gespickten Stadt Peterhead fürs Abendessen gefunden hatten, am Morgen nochmal die hervorragenden Sanitäreinrichtungen aufgesucht hatten, ging es um 12 Uhr mittags auf die Nordsee.

Vor den Start wurden wir zudem nochmal ausführlich zum vorausgesagten Wetter gebrieft und ein Vorschlag vom Skipper zur Wacheinteilung fand bei allen Zustimmung. Demnach sollte jeder der 6er Crew 3 Stunden jeweils mit einem Partner in einem 1,5 Stunden überlappenden System Wache gehen. Konkret hieß das, dass man bei der eigenen Wache in den ersten 1,5 Stunden einen anderen Wachpartner hatte, als in den zweiten 1,5 Stunden. Meine erste Wache stand für 1800 bis 2100 Uhr an. In die Nacht hinein, sehr schön. Die 2. dann ab 0300 Uhr morgens bis 0600 und so weiter. 6 Stunden frei, 3 Stunden Wache. Während den 3 Stunden Wache war man dann im 30 Minute-Wechsel als Rudergänger zuständig. Der Skipper stand dabei natürlich im Standby für Fragen oder Unsicherheiten bzgl Segeltrimm und Kurs zur Verfügung.

Die ersten paar Meilen mussten wir mangels Wind noch motoren, aber schon bald wurden Segel gesetzt und mit um die 7 Knoten rauschten wir Kurs 120° gen Helgoland. Nach 3 Stunden verloren sich am achterlichen Horizont auch die letzten Hügel und Schornsteine Schottlands. Bevor dann meine Wache anstand, hatte ich es mir noch für ein Stündchen in meine Koje gemütlich gemacht.

Während der ersten 20 Stunden der Reise brieste der Wind – in Spitzen 6 Bft – immer weiter auf. Mit ihm natürlich auch die Seegangsverhältnisse. Das Steuern des Bootes nach Kompasskurs wurde dabei insbesondere im Dunkeln zu einer herausfordernden Aufgabe. Über eine Selbststeueranlage verfügte das Schiff nicht.

Noch herausfordernder war allerdings das An- und Ausziehen vor bzw. nach der Wache. Kann ich mich ansonsten (an der frischen Luft auf Deck) von Seekrankheit frei machen, sieht es bei starkem Seegang unter Deck anders aus. Der Verzehr einer Banane nach dem Aufstehen kam bei der Banane nicht so gut, sie wollte ganz schnell wieder aus meinem Magen raus… Glücklicherweise sollte das der einige Vorfall dieser Art bleiben.

Am Morgen nach der ersten Nacht auf See flaute der Wind dann merklich ab und mit ihm auch der Seegang. Gelegentlich ließ sich dann auch die Sonne sehen. So ging es dann auch in die 2 Nacht. Bei moderaten Wind- und Seegangsverhältnissen, einer hellen und nicht zu kalten Vollmondnacht machte die Wache richtig Spaß. Für Abwechlung sorgten regelmäßig zu passierende Öl- und Gasplattformen, die in der Nacht wie Kleinstädte anmuten und die man in einem Abstand von mindestens 500 Metern passieren muss.

In der zweiten Nacht konnte ich dann während meiner Freiwache von 2400 bis 0600 fehlenden Schlaf nachholen, 5 Stunden feinster Tiefschlaf. Mit einem Kaffe und einer Scheibe Brot startete ich um 0600 in meine erste Wache von Tag 3. Da der Wind während der Wache weiter abnahm, brachte unser Vorsegel nicht mehr den notwendigen Vortrieb, so dass der Skipper den Spinnacker setzte. Nun machten wir wieder 6 bis 7 Knoten Fahrt auf unserem Kurs Richtung Helgoland.

Mit der Annäherung an Helgoland passierten wir dann auch die Schifffahrtsroute der Großschifffahrt auf der Achse zwischen dem Skagerrag und dem Ärmelkanal. So viel Platz auf der Nordsee, aber dann ist des doch ein recht enges Vorbeifahren mit einem Frachtschiff. Auch konnte ich einen Fischer aus meinem Heimatrevier Ijsselmeer, genauer aus Urk, beim Trawlen entdecken. Noch ca. 90 Seemeilen trennten uns nun noch von Helgoland.

Mit Einbruch der Dunkelheit wurde der Spinnaker geborgen. Ein herrlicher Segeltag über die Nordsee ging zu Ende und es brach die dritte Nacht ein, in derer wir vermutlich Helgoland erreichen sollen.

Leider gelang es uns nicht noch vor Mitternacht ein Mobilfunknetz zu erreichen. Erstmalig konnte ich daher Annette nicht zu Ihrem heutigen Geburtstag gratulieren…

Die ersten Hälfte der 3 Nacht war noch recht ruhig. Zu Beginn musste sogar für eine Zeit der Diesel ran. Im weiteren Verlauf frischte der Wind jedoch immer weiter auf, so dass die letzten 20 Meilen eine nochmal recht stürmische und nasse Passage war. Neben Regen, der von oben herunter kam zucken auch gelegentlich Blitze am Himmel auf. Aber nach 68 Stunden auf See mit 420 Seemeilen im Kielwasser erreichten wir um 0800 UTC sicher die Insel Helgoland.

2 Gedanken zu “Auf geht es, Helgoland wir kommen!

  1. Avatar von Ulrich Stobbe Ulrich Stobbe

    Die Überfahrt schien ja genau das Richtige für Dich zu sein! Vielleicht hast Du ja auch noch etwas gelernt! Weiterhin eine gute Fahrt und immer eine Handvoll Wasser unterm Kiel! Ulrich

    Like

Hinterlasse einen Kommentar