Whitby – Die Stadt berühmter Schiffe
Die beste Zeit, um in Whitby anzukommen ist High-Tide. Also Hochwasser. Zwei Stunden vor und nach Hochwasser öffnet die „Swing-Bridge“, die man passieren muss, möchte man im Yachthafen von Whitby festmachen.
Also musste ich die Abfahrtszeit in Scarborough so kalkulieren, dass ich gegen 13:00 Uhr in Whitby bin. Ca. 20 Seemeilen, recht wenig Wind, ca. 1 kn Gegenströmung, also ca. 5 Stunden Fahrzeit. Abfahrt also 8:00 Uhr. Eine moderate Zeit in einem Gezeitenrevier 😊. Aus Scarborough kann man bei jeder Tide auslaufen. Jedenfalls mit Canata und ihren 1,50 Metern Tiefgang. Kurzer Plausch per Funk mit der Portcontrol über meine Absicht den Hafen zu verlassen und schon war ich wieder unterwegs. Segel setzen, Motor aus und die Ruhe genießen. Ein Blick zurück nach Scarborough, einem Ort, von dem ich mir ein wenig mehr versprochen hatte.
Am Anfang wehte noch ein recht frischer Wind mit 4 Bft., der mich zügig Richtung Norden wehte. Allerding auch mit viel Regen im Gepäck, so dass Regenhose, -jacke und Gummistiefel angebracht waren. Nach ca. 2/3 der Strecke hörte der Regen dann auf, allerdings stellte dann auch der Wind seinen Dienst ein, so dass ich die letzten Meilen unter Motor zurücklegte.
Je weiter ich nach Whitby kam, desto mehr Fischer- und Angelboote bekam ich zu sehen. Hier scheint man noch gute Fangmöglichkeiten als Angler zu haben, anders als bei uns in der Ostsee, wo der Dorsch ja nahezu ausgestorben ist. Auch ein ganzer Schwarm verschiedener Seevögel balgten sich unterwegs um die besten Stücke eines Fisch-Kadavers.
Nach 4,5 Stunden war Whitby erreicht. Eine schöne Hafeneinfahrt durch die großen Wellenbrecher, vorbei an der Whitby-Abbey, die auf einem Hügel über der Stadt thront. Weiter entlang der Promenade, durch die Swing-Bridge bis zum Yacht-Hafen, wo mich schon der Hafenmeister erwartete, mir einen Platz zuwies und beim Anlegen half. Toller Service!
Nach einem zweiten Frühstück machte ich mich dann auf Entdeckertour. Sicher nicht so spektakulär wie die Expeditionen von James Cook, der in den Jahren 1756 bis 1779 ein hervorragender Kartograph und Seemann war. Viele Gebiete – insbesondere im Pazifik – sind nach ihm benannt. Die Cook-Inseln im Süd-Pazifik, die Cook-Straße zwischen den beiden Haupt-Inseln von Neuseeland und viele weitere. Auch kartographierte er erstmals Australien und nahm es in den 1770er Jahren in britischen Besitz, was heute aufgrund der damit begonnenen Vertreibung und Unterdrückung der Aboriginals durchaus kritisch gesehen werden muss. Er stammte zwar aus Yorshire, geboren wurde er in Whitby aber nicht. Die Verbindung zu Whitby ist der Schiffsbau. Hier wurden unter seiner Leitung die Schiffe Endeavour, Resolution sowie Discovery und weitere gebaut, die er für seine Expeditionen nutze. Natürlich hat die Stadt auch ein James-Cook-Museum und eine entsprechende Statue.
Schon in Scarborough wurde mir bei Steg-Gesprächen mit einheimischen Seglern empfohlen, in Whitby unbedingt Fish&Chips zu essen. Hier soll es die besten an der ganzen englischen Ostküste geben. Also führte mich nach Ende meiner Erkundungstour noch der Weg in eines der zahlreichen Restaurants. Ein Pint, eine Vorspeise und Fish&Chips machten den Tag zu einer runden Sache.













Ankernacht in der Tyne-Mündung (Tynemouth)
Bevor ich mich dann tags drauf aufgemacht habe, bin ich in Whitby noch eine Runde gelaufen. Es ging zur Abbey 190 Stufen hoch und dann ein paar Kilometer auf der Steilküste entlang des Küstenwanderwegs „England Coast Path“, vorbei an Wiesen und Feldern mit Cornwall-Feeling, tollen Wohnmobilstellplätzen direkt an der Steilküste und wieder retour. Leider hatte ich bei der Runde kein Handy dabei (das nervt beim Laufen), daher gibt es von dieser Tour keine Bilder.
Nach dem Duschen und Frühstücken war es dann auch bald 12:30 Uhr, Zeit für die Öffnung der Swing-Bridge, die die Segler wieder in die Freiheit der Nordsee entlässt. Ich wartete auf die Öffnung der Brücke mit mehreren „locals“, die vor Whitby ihre regelmäßige Clubregatta ausfechten wollten. Ich war mit Canata von den rund 10 Booten dann auch das einzige, das sich auf den Weg Richtung Norden machte. Ziel meiner Segeltour heute war der River Tyne. An diesem Fluss liegt auch die englische Großstadt Newcastle. Sicher allein schon einen Besuch wert. Allerdings wollte ich dort nicht hin. Ich hatte mir vorgenommen, im Schutz der dortigen Molen an der Mündung die Nacht vor Anker zu verbringen, da ich ohnehin am nächsten Morgen wieder zeitig um 6:00 Uhr weiter wollte. Da kann man sich das Hafengeld (für mein Boot durchweg über 40€/ Nacht!! Ohne Strom, dafür 5,50 € extra) mal sparen, zumal wenn man frisch geduscht und geföhnt am Morgen losgefahren ist.
Die Fahrt zum River Tyne war eine nasse und kalte, aber auch eine recht schnelle Sache. Für die rund 44 SM brauchte ich 8 Stunden bei größtenteils Gegenströmung. Gegen 20:30 viel der Anker dann aber zunächst an einer Stelle, wo er nicht so richtig Halt finden wollte, so dass ich nach 2 Versuchen noch einen anderen Platz aufsuchen musste, wo der Meeresboden besseren Halt versprach, sollte der Wind die Nacht hindurch auch weiter frisch wehen. Da ist ein guter Ankergrund (am besten ist Sand) wichtig, damit das Schiff nicht auf Drift geht. Nachdem sich mein Anker dann eingegraben hatte, informierte ich noch per Funk die Verkehrszentrale des River Tyne darüber, dass ich an dem Platz die Nacht verbringen werde. Nicht das sich da sonst noch jemand Sorgen gemacht hätte!
Zwei erwähnenswerte Schiffs-Begegnungen gab es dann auch noch. Die erste war die „King Seaways“. Eine Fähre von Newcastle nach Ijmuiden bei Amsterdam. Sie braucht für die Strecke, für die ich bisher eine Woche gebraucht habe, etwa 15 Stunden…
Das zweite interessante Schiff konnte ich von meinem Ankerplatz bei der Einfahrt in den River Tyne beobachten. Die „Aeolus“. Ein sogenanntes „Errichterschiff“ für den Bau von Offshore-Windanlagen. In Deutschland gebaut ist es für ein niederländisches Unternehmen in Betrieb. Mit den 4 langen Hubbeinen kann sich das Schiff in bis zu 45 Meter tiefem Wasser auf Grund festmachen, um die Arbeiten wie eine auf einer kleinen, mobilen Insel verrichten zu können. Wahnsinn…
Nach einem leckeren Pfannkuchen ging es dann in die Koje, Ankerapp aktiviert (sie warnt, wenn das Schiff ungewollt auf Reise geht) und Wecker auf 5 Uhr gestellt. Um 6 sollte es weitergehen.







Nächster Halt: Amble
Es war eine unruhige Nacht. Nicht, dass der Anker nicht gehalten hätte, aber es war doch so viel Wind, dass das Schiff immer mal wieder an der Kette zerrte und für Bewegung sorgte. So war ich schon vor dem Wecker wach und konnte dann auch pünktlich um kurz nach 6 Uhr den Anker lichten, Segelsetzen und mich auf den Weg machen. Nur eine kurze Etappe von rund 20 Seemeilen bis Amble, wo ab ca. 11:00 Uhr genug Wasser in Hafen sein sollte, um einlaufen zu können. Ich war dann aber doch so schnell, dass ich noch ein wenig warten musste. Die Zeit habe ich mir dann mit einem ersten Angelversuch verkürzt, bei dem dann auch prompt mein Köder abgerissen ist…
Amble (übersetzt „schlendern“) liegt am kleinen Flüsschen Coquet. So ist auch die dem Ort vorgelagerte Insel mit dem Leuchtturm die Coquet-Island mit dem Coquet-Lighthouse. Ich habe es dann auch wörtlich genommen und bin ein wenig durch den familienfreundlichen Urlaubsort (Wikipedia) geschlendert und habe noch ein paar Besorgungen gemacht. Gut, dass trotz Sonntag hier die Supermärkte geöffnet haben. Auf der Mole der Hafeneinfahrt habe ich dann noch einen besonderen Service für die Angler gefunden. Die Mindestmaß der Objekte der Begierde.



Morgen geht es dann weiter. Ob ich morgen schon Schottland erreichen werde? Ich bin gespannt! Oder schaut selber: share.garmin.com/canata
Hallo Rainer. Sehr schöne Reise bis hierher – und das soll auch so bleiben. Ich stalke dich und werde mitlesen.
Noch eine Frage zu Den Helde – Lowestoft: wie ist das als Solist (hab die Tour ja auch schon gemacht, aber zu zweit)? Hattest du Gelegenheit kurz mal zu schlafen? Oder hast du Kaffee intravenös angwendet? 😀
Grüße von Bord der RH und ganz viel Daumendrücken
Manfred
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Hallo Manfred,
nein, geschlafen habe ich nicht wirklich. Vielleicht 3 bis 4 mal eine Viertelstunde. Aber war OK. Nach Ankunft was gegessen und dann 11 Stunden am Stück.
Grüße, Rainer
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