Die nächsten Tage hatte ich tatsächlich ohne Segeln verbracht. Eigentlich wollte ich nur 2 Tage hier in Strusshamn blieben und dann durch den Mostraumen nach Modalen weiterziehen, aber es sind dann doch mehr geworden. Aber dazu später mehr.
Am ersten Tag in Strusshamn habe ich mich meiner Kleidung etc. gewidmet. 4 Maschinen Wäsche gewaschen und die gleiche Anzahl Trockenmaschinen. Für den Preis hätte man sich dann auch fast eine Waschmaschine kaufen können. Pro Gang 5,11 €, also über 40 €. Da bekommt man doch schon was Ordentliches bei Kleinanzeigen 😉.
Bevor ich mir am Abend aber meinem Fang vom Vortag zubereitete: auf eigener Haut gebratene Makrelenfilets, ging es doch mal hinaus in die unmittelbare Nachbarschaft des Hafens. Strusshamn ist der frühere Quarantänehafen von Bergen mit einer langen maritimen Tradition. Die Holzhäuser datieren teilweise aus den 1800er Jahren. Auf der kleinen Felseninsel mitten in der sehr geschützten Bucht ist heute ein Museum und ein wenig Kunst zu bestaunen. Die Revierführer sprechen nicht umsonst vom schönsten Hafen am Byfjord auf der Insel Askoy. Würde ich nicht bestreiten.










Am nächsten Tag war dann nochmal der Motor dran. Nach dem Wasserschlag bei meiner Nordsee-Querung war die Empfehlung, dass ich am besten mal einen Ölwechsel mache. Öl- und Filter hatte ich ja im Gepäck, nur eine Ölabsaugpumpe fehlte mir. Da konnte mir aber mein französischer Liegeplatznachbar mit einer elektrischen Pumpe aushelfen. Anders als bei einem Auto, bei dem das Öl einfach über eine Ölablassschraube aus dem Motor herauslaufen kann, muss bei meinem Bootsmotor ein dünner Schlauch statt des Ölpeilstabes in den Motor gesteckt werden, um das Öl aus dem Motor herauszusaugen. Dazu ist es hilfreich, das Öl durch einige Minuten Motorlauf aufzuwärmen, damit es nicht so zähflüssig ist und sich leichter absaugen lässt. Da man bei diesem Vorgang meist nur einen Teil des Öls herausbekommt, habe ich den Vorgang zweimal gemacht. Also nach dem erneuten Auffüllen mit frischem Öl, ein paar Minuten den Motor laufen lassen und dann die Prozedur noch einmal. Eine ziemliche Sauerei ist das immer, insbesondere das Abschrauben des Ölfilters. Mir jedenfalls gelingt das nie ohne Kleckerei. Jetzt bleibt zu hoffen, dass der Motor keinen bleibenden Schaden genommen hat.
Bei der Gelegenheit habe ich dann auch gleich noch den Impeller gewechselt. Der Impeller ist ein kleines Schaufelrad aus Gummi mit 6 Schaufeln, sitzt in der Wasserpumpe und befördert Seewasser zur Kühlung durch den Motor. Und da war ich dann doch ein wenig überrascht. Es fehlte ein Flügel. Ungewöhnlich nach nur ca. 1,5 Jahren, seitdem ich den Impeller letztmalig gewechselt hatte. Die Frage war nun, wo ist Nummer 6 geblieben? Solch ein Teil im Kühlsystem kann zu einer Verstopfung führen, so dass die Kühlleistung erheblich reduziert wird und der Motor am Ende durch Überhitzung Schaden nehmen kann. Glücklicherweise konnte ich ihn an einem Schlauchübergang in den Kühler finden und mit einem Widerhaken herausholen. Nach dem Zusammenbauen ein Testlauf ob alles dicht ist und genügend Kühlwasser aus dem Auspuff kommt und meine Bastelstunden waren erledigt.


Schön hin, schön her, am nächsten Tag wollte ich dann doch mal ein Häuschen weiterziehen. Als Ziel hatte ich mir den Ort Modalen am Mostraumen ausgeguckt. Ein tief ins Land führender Fjord führt zu diesem Straumen. Ein Straumen ist eine Engstelle in einem Fjord, der hohe Gezeitenströme aufweist und daher mit normalen Booten wie meiner Canata nur bei Stillwasser befahren werden kann. Der bekannteste ist sicherlich der Saltstraumen bei Bodö, der riesige Strudel mit Durchmessern von mehreren Metern erzeugt und Massen an Fisch in die dahinterliegen Fjord befördert. Da macht Angeln dann richtig Spaß, das Vergnügen durfte ich schon zweimal haben 😊.
Gegen 12 Uhr wollte ich los, damit ich dann zur passenden Zeit am Straumen bin. Also noch Zeit genug, eine Runde Joggen zu gehen. Das hatte ich in den letzten Wochen doch stark vernachlässigt. Am Vorabend hatte ich bereits eine 6-Kilometer-Runde über Komoot geplant. Zunächst ging es über eine wenig befahrene Straße den Berg hinauf und irgendwann dann in den Wald. Nun gut. Eher ein Wanderweg. Wuzeln, Steine und durch den Regen der letzten Tage extrem nass und auch matschig, so dass ich schon bald nasse Füße hatte. Und natürlich auch rutschig. Nach anderthalb Kilometern auf diesem Wanderweg (es ging zudem auch auf und ab) beschloss ich dann, die naheliegende Straße zu erreichen, um etwas entspannter meine Sporteinheit absolvieren zu können. Die Straße schon fest im Blick passierte es dann. 10 Meter vor Erreichen des sichern Asphalts ging es über ein Stück Gras-Fels-Gemisch und zack, ausgerutscht und auf mein linkes Knie gestürzt. Nun gut, eine Schramme die ein wenig blutet. Ich bin dann unbeirrt meine Runde weitergelaufen und erst am Boot erkannte ich dann, dass das nicht nur eine Schramme war. Es war schon eine Tiefe Wunde, die wohl doch von medizinischem Fachpersonal in Augenschein genommen werden sollte. So jedenfalls meine gesamte Familie und auch der Apotheker in der nahliegenden Apotheke, wo ich mit eigentlich nur Desinfektionsmittel kaufen wollte. Der war dann auch so freundlich, mir ein Taxi zu ordern, das mich dann in den Nachbarort zu einem Medizinischen Zentrum gebracht hat. Ergebnis: Die Wunde musste mit 4 Stichen genäht werden. Interessant war: Keine Wartezeiten, nach 1,5 Stunden war ich wieder draußen. Bezahlen musste ich natürlich auch. Und das ging denkbar einfach: An einem Terminal das Geburtsdatum eingeben, Handy mit gespeicherter Kreditkarte dranhalten, Quittung entgegennehmen, fertig. Und zudem mit 42€ eine doch recht günstige Behandlung wie ich meine. Da merkt man doch, wie weit wir von Digitalisierung noch entfernt sind. Das zeigte sich auch bei der Frage nach meinem Tetanus-Impfstatus. Ich hatte natürlich meinen Impfpass nicht dabei. Ob wir denn dafür keine App hätten, war die Frage der Ärztin. Nein haben wir nicht… Ab vielleicht irgendwann mal…




Und nun sitze ich hier immer noch in Strusshamn und überlege, ob ich dann morgen ein Häuschen weiterziehe oder zweck Rekonvaleszenz einfach noch hier bleibe und erst Freitag direkt nach Bergen verhole, ein Buch lese und den lieben Gott einen guten Mann sein lasse. Ihr werdet es im nächsten Beitrag erfahren. 😊