Von Whitehills über Wick zu den Orkneys

Auf nach Wick

Auch, wenn die Wetterdaten nicht einen so großartigen Segeltag wie gestern versprachen, so zog es mich irgendwie magisch nach Wick, dem Absprungort zu den Orkneys. Es wehte kaum ein Lüftchen, es regnete immer mal wieder und es war recht diesig. Eventuell bekäme ich ab Mittag ein wenig segelbaren Wind. Und wieder lag auf meiner Strecke ein großer Windpark. Da hatte ich aber in Whitehills die Info bekommen, dass dieser von Schiffen mit einer Länge von bis zu 15 Metern durchfahren werden darf. Eher ungewöhnlich, dachte ich. Also rief ich von unterwegs den Hafemeister von Wick an, um mir diese Info nochmals bestätigen zu lassen. Am Telefon gab er mir die Bestätigung aber nicht. Die „Beatrice Offshore Windfarm“ müsse umfahren werden. Also gut. Meine Route entsprechend angepasst, so dass ich den Windpark südlich passieren würde. Ein paar Minuten später bekam ich dann eine SMS vom Hafen aus Wick mit der Korrektur: „It is OK to transit trough the Windfarm“. Gut, dass ich noch Mobilfunkempfang hatte, hatte mir diese Info doch einen echten Umweg erspart. Und was für ein Service der Marina und dem Hafenmeister von Wick. Thanks a lot!

Immerhin hat der Windpark eine Ausdehnung von 131 qkm. Also etwa 2,5 mal so groß wie mein Heimatort Voerde. Oder für diejenigen von euch, die Voerde nicht kennen, kann man auch den Vergleich mit Fußballfeldern machen. Das wären dann mehr als 18.000 Fußballfelder. Und ich finde auch, da kann man nicht einfach drum herumfahren.

Also ging es mitten rein in den Windpark. Immer mit einem Ohr am Funkgerät, ob ich nicht doch gleich von einem Guardvessel angesprochen und verscheucht werde. Aber nichts passierte. In aller Ruhe konnte ich mir die Windräder anschauen, die einen immensen Rotordurchmesser von 150 Metern haben. Die einzelnen Windräder stehen ca. 500 Meter auseinander, so dass man bequem einen Weg hindurch finden kann. Trotzdem habe ich in dem Park den Motor zusätzlich zu den Segeln mitlaufen lassen, damit ich etwas stabiler auf meinem Kurs geblieben bin. Am Ende des Parks bin ich dann sogar noch am Guardvessel vorbeigesegelt. Es kam sogar jemand raus, um mir zuzuwinken :-).

Schön wäre es gewesen, wenn es nicht so verregnet und Wolken verhangen gewesen wäre. Teilweise waren die Rotorblätter in den dicken Regenwolken verschwunden.

Nach dem Durchqueren mussten die letzten 15 Seemeilen bis nach Wick noch ordentlich mit einigen Kreuzschlägen abgesegelt werden, wehte der Wind mittlerweile genau aus Richtung meines Ziels. Gegen 20 Uhr hatte ich die Einfahrt von Wick in der Peilung, meldete mich noch beim Hafenmeister per Handy an und wurde dann am Steg von ihm empfangen und meine Leinen von ihm entgegengenommen. Um 20:42 war ich dann fest am Steg.

Hafentag Wick

Heute direkt weiter zu den Orkney zu segeln, wäre mir dann doch ein wenig zu stressig geworden. Ich wollte mich erst einmal noch mit der Planung des Schlags zu den Orkneys beschäftigen und beim Hafenmeister Tipps abholen und der ist erst am Montag wieder da. Außerdem wollte ich noch einkaufen, duschen, Diesel besorgen etc. Beim Bezahlen der Hafengebühr machte mir die Dame im Büro auch ein paar Vorschläge, wie man denn einen Tag in und um Wick verbringen kann. Der Hafen hatte sogar einen Flyer mit den „Things to do in Wick“.

Nach dem Frühstück machte ich mich dann auf die Socken bzw. auf die Räder Richtung Noss Head. Eine ins Meer vorgelagerte Steilküste, auf der ein kleiner Leuchtturm thront. Irgendwie sind Leuchttüre immer ein beliebtes Ziel einer Küstenwanderung. In meinem Fall war ich aber mit dem Rad unterwegs. Ich hatte die Dame im Hafenbüro so verstanden, dass man den Wanderweg durchaus mit dem Rad befahren kann. Am Anfang war das auch so. Auf einer Schotterpiste ging es an der Küste entlang, vorbei am Seewasserfreibad von Wick, einem kleinen Naturhafen des Dorfes Staxigoe und irgendwann verwandelte sich der Schotterweg in einen Naturpfad, eingezäunt nach rechts zum Wasser und nach links zu den Felder. Nun denn, da für mich umkehren nur selten in Betracht kommt und man den Leuchtturm ja auch schon zum Greifen nahe sah, begab ich mich mit dem Klapprad auf diesen Trampelpfad. Halb fahrend, halb schiebend, zwei oder dreimal tragend durch kleine, feuchte Senken (in denen ich dann mit meinen Schuhen auch abgesoffen bin) kam ich dann irgendwann am Leuchtturm an und machte ein paar Fotos. Von hier konnten man auch schon die ersten Ausläufer der Orkney erkennen. Duncansby Head, die Nordostspitze Schottlands und den Leuchtturm auf der kleinen Insel Muckle Skerry am Eingang in den Pentland Firth.

Weiter ging die Reise dann aber auf der Straße. Unweit von Leuchtturm zunächst zu einem Kaffeestand am Wegesrand, der sehr guten Americano im Angebot hatte. Nach der Wander-Rad-Schiebe-und-Trage-Tour kam mir ein Heißgetränk ganz gelegen. Auch als kleine Stärkung für die Besichtigung eines der vielen alten und verfallenen Castles, die man hier alle paar Kilometer an der Küste finden kann. Sinclair Castle. Eine exponierte Lage und auf steilen Felsen gebaut, diente es bis 17hundertirgendwas als Schloss/ Burg und war danach dem langsamen Verfall geweiht, da der Eigentümer eine bessere Immobilie gefunden hatte.

Auf dem langen geraden Weg zurück nach Wick ging es noch vorbei am Wick-Airfield, an Weideflächen für köstliche Kotelettes und Steaks bevor ich in Wick durch eine Straßensperrung wegen eines Schwertransporte ausgebremst wurde (ein Pumpstation für eine Öl-Pipeline, die per Schiff angeliefert wurde). Ansonsten war die Innenstadt von Wick recht ausgestorben, Sonntag halt… Aber Wick hat auch etwas weltweit Einzigartiges. Nämlich die kürzeste Straße der Welt. Am nur 2,06 Meter langem Ebenezer Place, der die River Street und die Union Street verbindet, ist nur der Eingang zum Bistro des Mackays Hotel. Damit hat Wick es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft.

Für den Abend fragten meine Bootnachbarn, ob ich Lust hätte mit auf ein Bier ins Pub zu kommen. Diese Einladung nahm ich sehr gerne an. Es würde ein feuchter Abend mit Hilke und Martin aus Elmshorn. Aber auch ein sehr interessanter. Wussten die atlantikerprobten Vollblut-Segler doch viel über Ihre Reisen und das Segeln zu erzählen. Vielen Dank dafür!

Auf nach Stromness (Orkney-Insel Mainland)

Nach dem netten Abend fiel das Aufstehen doch etwas schwerer als sonst. Auch der Kopf fühlte sich etwas anders an als sonst. Woher das wohl kam… Nach einer Dusche, Kaffee und Frühstück ging es dann schon besser, so dass ich mich auf die Abfahrt, die ich für 13:30 terminiert hatte, vorbereiten konnte. Beim Ablegen halfen mir dann Hilke und Martin und wünschten mir eine gute Reise. Wind stand heute nicht viel auf dem Zettel. Dafür aber wieder Regen. Also war ich auf eine Motorfahrt zum 35 Seelmeilen entfernten Stromness vorbereitet. War zu Beginn der Fahrt die Sicht noch einigermaßen passabel, wurde die durch den Regen immer schlechter. Das Erreichen der Orkneys wünscht man sich eigentlich bei strahlend blauem Himmel und einer leichten Achterstagbriese. Das war mir leider nicht vergönnt. Bei durchschnittlich 11 Regentagen im Juni, darf man die Erwartungen da aber auch nicht zu hoch hängen. Im Pentland Firth, einer der gezeitenträchtigsten und damit schwierigsten Reviere im Atlantik/ der Nordsee, bin ich dann zur rechten Zeit angekommen. Genau so, dass ich mit dem nach Westen ablaufendem Wasser meinem Zielort entgegengerauscht bin. Es war aber deutlich weniger spektakulär, als ich es mir bei meiner Planung vorgestellt hatte. Das lag sicher auch daran, dass kein Lüftchen wehte und dass ich den Zeitpunkt der Einfahrt in die Meerenge zur richtigen Zeit erwischt hatte. Von sog. Races und Eddys (Gezeiten-Stromschnellen und Verwirbelungen) habe ich nichtd wahrgenommen. Ist auch gut so!

So kam ich klatschnass, mittlerweile auch ein wenig fröstelnd gegen 20 Uhr nach 36 Seemeilen und 6, 5 Stunden Fahrzeit im Hafen von Stromness an. Nach 15 Tagen habe ich bis hierher mittlerweile 664 Seemeilen im Kielwasser und bin mit meiner Planung ein wenig im Plus. Daher werde ich hier sicher 2 Tage bleiben und ein wenig die Haupinsel Mainland erkunden. Wetter soll ganz passabel werden.

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