Verlassen der Orkneys und Besuch auf Fair Isle

Mein Tag auf Westray

Bevor ich weiter nach Norden ziehen wollte, stand noch ein Hafentag in Westray an. Das Fahrrad hatte ich aber mal schön im Boot gelassen. Ich wollte nicht (wie auf Mailland) beim Bergabfahren bei Gegenwind wieder stehen bleiben. Also habe ich mich für die Wanderschuhe entschieden. Zuerst wollte ich ins Dorf Pierowall. Da soll es Einkaufsmöglichleiten geben. Und tatsächlich bieten 2 Läden in einer Kombination aus Supermarkt, Baumarkt und Kurzwaren ein umfangreiches Sortiment an. Immerhin wollen die ca. 600 Einwohner der Insel sowie einige Touristen versorgt werden. Auch soll es hier ein Hotel mit Restaurant und „Kneipe“ geben, welches ich aber nicht besucht hatte. Kurz nach den Öffnungszeiten der Supermärkte gefragt, denn auf dem Rückweg von meiner Wanderung nach Noup Head wollte ich noch ein paar Einkäufe machen.

Nun habe ich schon öfter Ausflüge zu einem „xy-Head“ gemacht. Head steht im Prinzip für Landspitze, die dann meist mit einem Leuchtturm ausgestattet ist. So auch Noup Head. Die Klippen bei Noup Head sollen ganz besonders beeindruckend sein. Auf dem Weg dorthin gab es aber erst noch ein Castle zu besichtigen. Noltland Castle. Auch eine Ruine, aber eine, bei der man sich noch mit etwas Fantasie eine Vorstellung davon machen können, wie die Menschen (jedenfalls die mit dem nötigen Kleingeld und einem Titel als Earl o.ä.) Mitte des 16 Jahrhunderts gelebt haben. Allerdings war dieses Castle nicht sehr lange bewohnt und wurde wohl auch nie zu Ende gebaut. Offensichtlich ein Bauherr mit vielen Feinden. Denn nur wenige Fenster gestatteten einen Blick nach draußen, dafür aber konnten zur Verteidigung rund 70 Gewehre mit ihren Läufen aus Schießscharten in alle Richtungen zielen.

Weiter ging es zunächst entlang der Straße vorbei an Höfen, Schafen und Rinderherden. Eine davon veranlasste mich dann zu einem kleinen Umweg. Eigentlich ging der Weg hinter einem Viehgitter weiter vorbei oder besser durch die Herde hindurch. Je näher ich kam, desto aufmerksamer wurden die Tiere auf mich und fingen an zu „muuuhen“. Das hat mich doch dann so beeindruckt, dass ich einen kleinen Umweg mit einer Klettereinlage über eine dieser typischen Weidemauern machte, um über ein Nachbarfeld auszuweichen. Wahrscheinlich völlig unnötig. Aber wer mich kennt weiß, dass ich ein kleiner „Schisser“ bin, insbesondere was vierbeinige Tiere anbelangt…

Angekommen am Leuchtturm hatte man einen fantastischen Blick auf die Klippen und das Meer. Auch hier reichlich Vogelgetier aber leider keine Puffins (zu Deutsch: Papageientaucher). Wie mir ein aus Deutschland ausgewanderte Schotte (ober besser ein nach Schottland eingewanderter Deutscher?) den ich unterwegs traf erzählte, findet man diese an Noup Head nicht, sondern eine Kolonie kann man im Süden Westrays beobachten. Schade, da werde ich bei meinem Besuch auf Westray nicht mehr hinkommen, denn morgen soll es weiter gehen. Aber es stehen ja auch noch ein paar Insel aus. Auf den Klippen musste man auch schon aufpassen, nicht hinuntergeweht zu werden. Ich konnte auch ein Fischerboot aus meinem Hafen beobachten, der seine Lobster Pods oder auch die ausgelegten Langleinen kontrollierte. Wird Seglern in den Revierführen für Schottland immer empfohlen „Take a wide berth round XY- Head.“, näherte er sich ziemlich weit den Klippen. Er kennt das Revier offensichtlich wie seine Westentasche und weiß, wann man wo ohne Gefahr fahren kann, im Gegensatz zu uns Boots-Touristen, die solche Reviere max. im Rahmen einer Urlaubsfahrt bereisen.

Seit fast drei Wochen bin ich nun als Solo-Segler unterwegs. In ca. 2 Wochen will ich in Bergen sein, da kommt dann Annette. Und so langsam freue ich mich auch auf Gesellschaft. Um mir wenigstens ein paar heimatliche Gefühle zu geben, gab es heute Frikadellen mit Kartoffeln und Rotkohl. Eigentlich eher ein „Winteressen“, aber bei Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad durchaus angebracht😊.

Ein Felsen zwischen Atlantik und Nordsee

Fair Isle! Die Insel der Vögel und Pullover. Auf halbem Weg zwischen den Orkneys und Shetlands. Liegeplätze für max. 6 Boote in 2 Dreier-Päckchen (wie sich später zeigen wird auch mehr). Und das auch nur, wenn kein Kreuzfahrtschiff kommt. Dann wird der Kai für die Landungsboote gebraucht. Nicht sehr viel Kapazität, also nicht unbedingt sicher, dass man dort einen Platz bekommt. Also hatte ich zwei Sachen gemacht. Auf einer Webseite für Cruising-Schiffe nachgeschaut, wann das nächste von ihnen Fair Isle besucht: Prima: erst am 5.7. wieder und da bin ich schon in Bergen. Zweitens das Vogelbeobachtungszentrum angerufen, ob die mir sagen können, wie die Situation mit Liegeplätzen ist: auch wohl entspannt, wie mir Steve sagte, der nur kurz aus dem Fenster schauen musste. Ich habe mich dann bei der Gelegenheit dort gleich zum Abendessen mit den dortigen Gästen und Rangern eingebucht. Und da ich ja nie ohne Netz und doppelten Boden unterwegs bin, habe ich meine Abfahrtzeit so gewählt, dass ich schlimmstenfalls auch noch bis nach Lerwick zu den Shetlands weiterkann und dort nicht erst in der Nacht ankomme. Also los, die Uhr zeigte beim Ablegen auf 5:00 Uhr.

Klar war mal wieder, dass ich am Anfang motoren musste. Später sollte Wind aufkommen, um segeln zu können. Nass würde es werden, ok, bin ich hier ja schon gewohnt. Dass allerdings auch noch ein Gewitter dazu kam und dichter Nebel, stand nicht auf dem Plan. Auch nicht, dass es nichts mit Segeln – trotz Wind – wurde. Leider hatte sich das Fall des Großsegels verklemmt, so dass ich es nicht setzen konnte und auch meine Versuche es unterwegs zu lösen, scheiterten. Um nur mit dem Vorsegel voran zukommen war es doch etwas zu wenig Wind. Im Hafen war das Problem dann einfach zu lösen. Ich muste einfach nur weitgenug vom Boot mir dem Ende des Seils weggehen, um es aus seiner Beklemmung zu ziehen… Also musste ich nicht erneut in den Mast. Puh… glück gehabt :-).

Im Gewitter war es schon, ich sag mal, spannend. So ein Mast ist natürlich ein exponiertes Ziel für einen Blitz. Jedes Kind weiß, dass man sich bei einem Gewitter besser nicht unter einen Baum stellt, sondern sich eher flach auf den Boden legt. Aber das geht mit einem Boot bekanntermaßen nicht. Also Abwarten bis das Gewitter vorüber ist und hoffen der Kelch geht an einem vorbei. Mit mulmigem Gefühl habe ich dann die Blitze registriert und die Zeit bis zum Donner gezählt, um abschätzen zu können, in welcher Entfernung sich die geballte Energielandungen denn entladen hat. Und ich habe vorsichtshalber ein Handfunkgerät, ein Tablet mit einer aktuellen Seekarte, sowie meinen Tracker und meine Satellitennotfallbake in den Backofen gelegt. So kann man elektrische Geräte wohl schützen, falls es tatsächlich zu einem Einschlag kommt, denn dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die gesamte Elektrik ausfällt. So hat man dann wenigstens noch ein paar Hilfsmittel, um sich weiter zu orientieren oder zu Not auch Hilfe zu alarmieren. Aber wie ihr seht, ihr erhaltet meinen Bericht, alles war gutgegangen. Das Gewitter zog ab und gab aufziehendem Nebel die Klinke in die Hand.

Im Nebel zu segeln, die Sicht lag bei maximal einer viertel Seemeile, also rund 450 Metern, ist halt ein Blindflug, bei dem man ohne technische Hilfsmittel wie Radar und das AIS-System man eben keine Hindernisse mehr um sich herum sieht. Wer keine elektronischen Helferlein hat, sollte für solche Fälle noch ein Nebelhorn an Bord haben. Ich habe neben dem Nebelhorn aber auch Radar und AIS an Bord und konnte daher ein ca. 200 Meter langes Frachtschiff schon eine Weile beobachten, wie wir uns immer näher kamen. Irgendwann rief mich dann das Schiff „Jacob Oldendorff“ über Funk an und gab mir die Nachricht, dass sie mich auf dem Schirm haben und ihren Kurs ein wenig verändert haben, sodass ich gefahrlos an ihrem Heck passieren konnte. Ein sehr aufmerksamer Schiffsführer eines Schiffes, welches ich dann in Natura gar nicht zu Gesicht bekommen habe, obwohl die Begegnung laut meiner Instrumente in einer Entfernung von nicht mehr als ein paar hundert Metern war. So dicht war der Nebel. Übrigens interessant. Das Schiff kam von St. Petersburg und war auf dem Weg nach New Orleans. Geschenke von Putin für Trump?

Und immer weiter näherte ich mich Fair Isle, Doch von der immerhin maximal 200 Meter hohen Insel war auch aus ein paar hundert Metern Entfernung nichts zu sehen. Und was dann passierte war schon sehr beeindruckend und ein besonders Erlebnis. Je weiter ich an der Westseite der Insel hoch gefahren war, desto mehr lichtete sich der Nebel. Zuerst sah man nur einen kleinen Spülsaum von brandenden Wellen an den Klippen. Dann nahmen die ersten Riffs und der nördliche Leuchtturm Gestalt an, bis ich dann an der Einfahrt zum Hafen freie Sicht hatte. Als ich dann fest an der Pier lag, schien dann sogar die Sonne! Und da war ich auch froh drum. Die Spannung eine Landung im Nebel hätte ich nach der Aufregung im Gewitter nicht auch noch haben müssen. Am Steg empfangen wurde ich von Steve vom Observatorium, der gemeinsam mit meinen Bootsnachbarn meine Leinen annahm. Als erstes sprach er mich auf das Gewitter an, ob ich da gut durchgekommen wäre. Und man hat auch meine Schiffsbegegnung auch einem Schiffstracker verfolgt. Was soll bei so viel Aufmerksamkeit schon schief gehen?

Einen ersten Rundgang in Nahbereich des Hafens konnte ich dann noch vor dem Abendessen unternehmen. Auch zu Fair Isle Airport mit einem tgl. Flug nach Lerwick, Shetlands. Das Abendessen nahm ich dann in der Station ein. Leckeres Backhähnchen mit Beilage in einem Vogelobservatorium ist ja schon ein wenig grotesk, aber lecker war es. Und eine weitere Belohnung gab es am Abend dann noch obendrauf. Mit einer Rangerin und 2 anderen Gästen der Station ging es auf eine Puffin Walk. Kein weiter Walk, nur ein paar hundert Meter vom Hafen entfernt die Klippen hinauf warteten hunderte dieser kleinen fliegenden Taucher, wie sie niedlicher nicht sein können.

Am nächsten Tag wollte ich noch hier bleiben. Viel Wind hatte eine Weiterfahrt auch nicht angeraten. Aus einem Insel Rundgang ist dann aber nichts geworden. Immer wenn es eine Regenpause gab und ich mich angezogen hatte, fing es wieder an. und es wehte auch ziemlich heftig. Also bin ich den ganzen Tag an Bord geblieben, habe ein paar Wartungsarbeiten am Boot gemacht und diesen Bericht bis hierher geschrieben. Morgen soll es besser werden. Vielleicht verlängere ich dann noch eine Nacht hier, wann werde ich sonst nochmal nach Fair Isle kommen?

Ein Tag auf Fair Isle

Ich hatte mich entschieden, noch eine Nacht zu verlängern. Es wäre wirklich zu schade, dieser Insel nach einem verregneten Tag direkt wieder den Rücken zu kehren, zählt sie doch zu den schönsten Inseln Schottlands, obwohl sie nur 5 x 2,5 km „groß“ ist. 60 Menschen leben hier. Die Insel wird im Jahr von ca. 1.200 Menschen besucht. Aber ich denke Yacht-Crews und Tagesgäste von Kreuzfahrtschiffen zählen nicht dazu. Anreisen kann man mit der „Fähre“ Good Shepherd IV (3-mal pro Woche) oder mit dem Flugzeug (4-mal pro Woche). Aber natürlich nur, wenn das Wetter passt. Ich denke, dass nicht viel mehr als 200 oder 300 Yachten im Verlauf des kurzen Sommers hier einlaufen. Also ein schon recht exklusives Ziel, was ich da mit Canata angelaufen war.

Im Prinzip kann man sich die Insel bequem zu Fuß erschließen. Allerdings berichteten mir meine britischen Nachbarn, dass sie mit ihren „Folding-Bikes“ über die Insel geradelt sind. Gut zu machen mit nur moderaten Steigungen. So machte ich eine Kombination aus Wander- und Radeltour über die Insel. Über Mittag wollte ich dann wieder am Schiff sein, da wir über Marinetraffic (einem Schiffstracker) gesehen hatten, dass mind. 5 Yachten von den Shetlands aus im Anmarsch waren und um die Mittagszeit eintreffen müssten. Und da wollte ich dann am Schiff sein, denn die anrückenden Boote waren allesamt größer als Canata und da wollte ich mich dann lieber nach außen ins Päckchen legen, statt mich innen erdrücken zu lassen.

Also startete ich meine Rundfahrt zunächst auf dem Südteil der Insel. Dort ist die größte „Bevölkerungsdichte“ der Insel. Nicht, dass hier ein zusammenhängendes Dorf wäre, aber im Süden sind halt die meisten Höfe und Häuser. Hier gibt es auch einen Kaufmannsladen und eine Post, die leider heute geschlossen waren. In der naheliegenden Community Hall kann man auch prinzipiell die berühmten Fair Isle- Pullover erwerben. Aber auch dort hatte ich niemanden angetroffen. Nicht, dass ich ein Original hätte kaufen wollte (die handgestrickten Kunstwerke kosten so um die 500€ mind.), aber vielleicht wäre ja eine Mütze drin gewesen. Eine, nein zwei Kirchen, eine methodistische und eine der Scottish Church und ein Museum, das heute natürlich auch geschlossen war. Irgendwie scheint der Dienstag der allgemeine Ruhetag hier zu sein. Natürlich hat das südliche Ende der Insel auch einen Leuchtturm. Dieser war der letzte bemannte (heute würde man wohl sagen bemenschte) Leuchtturm Schottlands. 1998 wurde aber auch dieser automatisiert. Neben den weiteren kleinen Kuriositäten, die man hier findet, beeindruckt natürlich vor allem die Natur, die Vögel (auch wenn ich null Ahnung davon habe) und die raue Wildheit der Landschaft und Küsten. Man kann sich hier völlig frei bewegen auf den Feldern, Wiesen, Weiden und Klippen, so wie es auch die Schafe hier tun können. Allerdings hatte ich an zwei Stellen das Gefühl, dass die Vogelwelt es nicht so mag, wenn unsereins in manche Areale vorstößt. So wurde ich von einer Skua (Raubmöwe, meiner Recherche nach) ein paarmal recht nah angeflogen, dass mir doch ein wenig mulmig wurde und ich besser einen anderen Pfad einschlug. Beim zweiten Mal waren es Küstenseeschwalben (danke Google-Lens 😊), die ein wenig aufgeregt waren und dicht über mir kreisten, als ich nahe an ihrem Felsen vorbei stolzierte. Als ich dort wieder weg war, waren auch alle wieder gelandet.

Pünktlich zur Mittagszeit, als ich wieder am Boot war, kamen auch die Segler im Hafen an, die ich bei meinem Rundgang auch schon aus der Ferne ausmachen konnte. Und es wurde International. Franzosen, Belgier, Norweger und Deutsche. Später kam noch ein weiterer Segler und die Kapazitäten waren nun ausgeschöpft. 8 Boote und noch einer vor Anker in der Bucht. Und der exklusive Kreuzfahrer Island Sky ging vor der Insel vor Anker und beförderte seine ca. 100 Gäste mit Zodiacs für einen Kurzbesuch auf die Insel (sollte das nächste Schiff nicht erst am 5.7. kommen?).

Die zweite Runde drehte ich dann auf dem Nordteil Richtung North Lighthouse. Ja, Fair Isle hat 2 Leuchttürme und damit befinden sich hier immerhin fast 1% der in Schottland existierenden insgesamt 208 Leuchttürme. Dieser hat auch ein Nebelhorn, besser gesagt: hatte. Es sah nicht so aus, als ob es noch betrieben werden könne. Auch vor dem Betreten wurde durch Schilder gewarnt, führte dieser ehemals mit Zaun abgesicherte Weg über einen kleinen Felsgrat, welches allmählich abbröckelte, mich aber noch sicher herübergelassen hatte. Von hier konnte ich dann auch noch einmal auf die Klippen schauen, deren Anblick mit bei meiner Ankunft durch den Nebel erst nach und nach gewährt wurde.

Aber genug der Worte, nun lasse ich Bilder sprechen:

Morgen Mittag lege ich von Fair Isle ab und gehe die vermutlich letzte Etappe Richtung Norden zu den Shetlands in die Hauptstadt Lerwick, bevor der Sprung Richtung Osten nach Bergen in Norwegen ansteht. Ich frage mich, was nun die Shetlands noch bieten können, was ich nicht schon auf den Orkneys und insbesondere auf Fair Isle gesehen habe. ich denke nicht viel, daher werde ich das erste passende Zeitfenster nutzen, um die 200 Seemeilen-Reise über die Nordsee anzutreten, auch wenn die Shetland dann ein wenig kurz kämen.

10 Gedanken zu “Verlassen der Orkneys und Besuch auf Fair Isle

  1. Avatar von Ralf Ralf

    Hallo Rainer,mit Begeisterung lese ich Deine Berichte. Zumal Du in mein Sehnsuchtsland bereist.Lass es Dir gut gehen und pass auf Dich auf.
    Freue mich auf weitere Berichte und vielleicht mal ein Wiedersehen.
    Viele GrüßeRalf

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  2. Mit bemerkenswerter Hingabe, klarem Kopf und einem guten Schuss Humor hast du auf deiner Reise von den Orkneys über Fair Isle in Richtung Shetlands eine meisterhafte Seemannschaft bewiesen.
    Der Aufenthalt auf Westray zeigt dein feines Gespür für Natur, Geschichte und Alltagskultur: Statt das Rad zu bemühen, ging es zu Fuß über die Insel – vorbei an uralten Burgruinen, weidenden Rindern (mit respektvollem Abstand), hin zu dramatischen Klippen bei Noup Head. Und auch wenn die Puffins sich dort nicht blicken ließen – der Blick fürs Wesentliche war immer da: Landschaft, Wetter, Geschichte – und nicht zuletzt der eigene sichere Rückweg zum Boot.
    Die Etappe nach Fair Isle war alles andere als ein gemütlicher Spaziergang. Gewitter, Nebel, defektes Großsegel: eine Herausforderung nach der anderen. Doch mit klugem Verhalten, guter Vorbereitung (inkl. „Notfallgeräte im Backofen“) und technischer Ausrüstung wie AIS und Radar meisterst du diese schwierige Passage mit bemerkenswerter Ruhe. Dass du in dichtem Nebel beinahe unsichtbar an einem riesigen Frachter vorbeizogst und dennoch auf dem winzigen Hafen von Fair Isle sicher angelegt hast, spricht für eine exzellente Navigation und vorausschauende Planung.
    Fair Isle selbst wurde dann völlig zurecht mit einem Extra-Tag belohnt – eine der abgeschiedensten und zugleich reizvollsten Inseln Schottlands, deren wilde Natur, kleine Gemeinden und reiches Vogelleben du mit feiner Beobachtungsgabe erkundete. Ob im Kontakt mit Skuas und Seeschwalben, bei Wartungsarbeiten am Schiff oder beim vorausschauenden Päckchenlegen im engen Hafen: Hier zeigt sich jemand, der sein Schiff, sich selbst und die Umwelt gleichermaßen gut kennt und respektiert.
    Dein Törn ist ein Paradebeispiel für besonnenes, verantwortungsvolles und gleichzeitig neugieriges Segeln. Du beweist nicht nur seemännisches Können, sondern auch ein echtes Gespür für die Geschichten, Eigenheiten und Herausforderungen der Orte, die du besucht. Großes Kompliment – das ist Segeln in seiner schönsten Form: selbstbestimmt, achtsam und voller Entdeckergeist!

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  3. Avatar von u006101 u006101

    Hallo Rainer,
    ich verfolge deine Reise sehr gespannt. Wie immer toll geschrieben – die Stelle mit dem gebratenen Hühnchen im Vogelobservatorium hat mir glatt einen Lach-Flash beschert – und mit wirklich tollen Fotos bebildert. Danke, dass du uns so an diesen begeisternden Eindrücken teilhaben lässt.
    Weiterhin gute Reise !
    Jörg Schubert
    von der META

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  4. Avatar von klaus2013 klaus2013

    Moin Rainer,

    wenn auch nur kurz, immerhin hast Du die Fair Isle nun gesehen. Ich war drei Tage dort und wäre noch gerne drei weitere geblieben. Ich hatte allerdings auch besseres Wetter. Das Nebelhorn des nördlichen Leuchtturms habe ich mir trotz der Verbotsschilder auch gegönnt. Die Vogelstation ist vor Jahren mal abgebrannt und als ich dort war, wurden dort die Materialien des Neubaus gerade angeliefert, was für viel Streß im Hafen sorgte. Die neue Station kenne ich also gar nicht, scheint aber wieder gut als Auffangstation für Segler zu funktionieren. Schön Dich weiter begleiten zu können.

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    1. Hallo Klaus, ist man nicht überall einen Tag zu kurz? Aber mir hat die Zeit auf den Inseln und Ost-Schottland schon gereicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das alte Observatorium schon „ursprünglicher“ war. Das neue ist halt wie eine Jugendherberge. Hat nicht wirklich viel Charme und recht funktionell. Bin Heute in Norwegen angekommen. Südlich von Bergen am Eingang in die Fjorde 🙂 Grüße, Rainer

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  5. Avatar von optimistic2e57631a74 optimistic2e57631a74

    Hallo kleiner Bruder 😊, ich bin begeistert 😃. Dein Bericht ist wieder sehr toll! Ich bin sehr dankbar, daß alles gut läuft und es dir gut geht. Du bist ja auch sehr vorausschauend und besonnen! ( zum Glück 😜 ) Die Woche auf dem Plattboot hat wieder mal gezeigt, wie stark Naturgewalten sind u manchmal auch nicht berechenbar. Paß auf dich auf, weiter viel Spaß, Energie und Neugierde. ❤️ Ingrid

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