Vom Lysefjord nach Egersund

Wir verlassen die Fjorde

Nachdem wir unser Sightseeing im Lysefjord beendet hatten, sind wir nach einem kurzen Tankstopp am Ausgang des Lysefjords in Forsand noch herrlich den Høgstfjord bei einem schönen 3er Nordwestwind herauf Richtung Stavanger Schärengarten gekreuzt. Dort wollten wir uns einen Anker- oder Stegplatz auf einer der zahlreichen größeren oder kleineren Inseln suchen.

Die Windverhältnisse in den Fjorden sind schon sehr interessant und auch meist schwer einzuschätzen. Weht der Wind gerade noch aus z.B. nordwestlicher Richtung, so kann sich das hinter der nächsten Insel oder dem nächsten Kap auch mal auf einen Nordost-Wind ändern. So kommt es, dass wir streckenweise kontinuierlich einen Am-Wind-Kurs gesegelt sind, aber die Fahrtrichtung um bis zu 30° bis 40° in beide Richtungen variieren mussten. Also die allgemeinen Windvorhersagen, sind hier im Detail kaum zu gebrauchen. Ich denke, dass hier viel Erfahrung notwendig ist, um den Wind in den Fjorden „lesen zu können“. Aber viele Segler hier machen sich die Mühe auch gar nicht. Wir konnten viele Segelboote beobachten, die trotz gut segelbarem Wind mit der Maschine gefahren sind.

Nach unserer fast 3-stündigen Kreuz sind wir dann auf der kleinen Insel Lindøy gelandet. Nicht mehr als ein Anleger, einige Grillplätze, ein paar Häuser, ein Kinderspielplatz und ein ca. 3 KM-langes Spazierwegenetz. Der Schärengarten von Stavanger mit seinen vielen kleinen Insel (auch als „Stavanger Inselreich“ bekannt), scheint wohl das Naherholungsgebiet von Stavanger zu sein. Neben den Seglern und Motorbooten, die auch über Nacht bleiben, kommen auch viele Tagesgäste mit Ihren Speedbooten auf die Inseln, um einfach nur ein Picknick zu machen oder bei einem Gläschen Rotwein den Sonnenuntergang zu beobachten. Und was uns dann doch angenehm überraschte, es wurden keine Liegeplatzgebühren erhoben, trotz Wasser, Müllentsorgung, Toilette und Duschmöglichkeit. Jedenfalls hatten wir niemanden gefunden, bei dem wir hätten bezahlen können. So verbrachten wir einen ruhigen Abend und eine ebenso ruhige Nacht auf der kleinen Insel Lindøy.

Unsere nächste Etappe sollte uns von Lindøy nach Tananger führen. Tananger ist ein kleiner Ort schon außerhalb der Fjorde an der Nordseeseite rund 10 km westlich von Stavanger und ist sozusagen der Absprungort für die Segler, die den weiteren Weg entlang der Südküste Norwegens in Richtung Kristiansand und Oslo oder durch das Skagerrak nach Dänemark gehen wollen. Wir wollten weiter Richtung Egersund, kurz vor Lindesnes, der südlichsten Spitze Norwegens. Es ist dann der nächste Hafen, der von größeren Booten angelaufen werden kann. Eine Etappe von ca. 40 Seemeilen, für die man dann schon aif brauchbares Wetter und insbesondere Wind warten sollte. Der sollte aber am folgenden Tag noch nicht sein. Daher nutzen wir den Hafentag für eine Besuch per Bus in Stavanger.

Also sind wir am nächsten Morgen dem Bus nach Stavanger gefahren. Bei der Abfahrt in Tananger und der Ankunft in Stavanger regnete es natürlich, aber warm war es und kurz nach der Ankunft, hörte es dann freundlicherweise auf zu regnen, so dass wir einen trockenen Rundgang durch Stavanger machen konnten. Stavanger ist mit 150.000 Einwohnern nach Oslo, Bergen und Trondheim die viertgrößte Stadt in Norwegen. Und es soll die teuerste sein. Lebte man hier früher vorwiegend von der Fischindustrie, so hat Stavanger seinen heutigen Wohlstand der Ölindustrie zu verdanken. Zu beiden Themen finden Interessierte hier auch Museen, ein Fischkonservenmuseum in der Gamle Stad (Altstad) und ein Ölmuseum. Von Stavanger starteten auch die Rip-Touren in den Lysefjord, die wir ein paar Tage zuvor bei unserem Besuch dort beobachten konnten und einen Blick auf den Preikestolen, die bizarren und steilen Felsformationen, Schluchten und Wasserfälle werfen zu können. Die großen Kreuzfahrtschiffe selber scheinen nicht in den Fjord zu fahren. Es gibt dort keine Anlege- bzw. Ankermöglichkeit für diese großen Schiffe.

Stavanger hat uns bei unserem zugegebenermaßen kurzen Besuch irgendwie besser gefallen als Bergen. Es wirkte trotz der Anwesenheit eines Kreuzfahrtschiffes nicht ganz so voll und irgendwie gemütlicher als Bergen. Eine schöne Innenstadt mit den bunten Häusern in Fargegaten, dem Dom, dem Valbergtarnet, einem Feuerwachturm und natürlich das Gamle Stavanger mit den weißen Holzhäuser, die heute vom besagten Kreuzfahrtschiff ein wenig dominiert wurden. Und immer wieder ein wenig Street-Art an Hausfassaden, machten den Besuch sehr kurzweilig. Alles an einem halben Tag gut zu Fuß zu erreichen. Gut so, denn nach dem halben Tag öffnete Petrus auch wieder die Schleusen und wir verholten uns in ein Restaurant und aßen zu Gourmet-Preisen einen Burger mit Pommes und für den Preis eines Spitzenweins ein Lagerbier, bevor es mit dem Bus wieder zurück nach Tananger ging.

Richtung Egersund

Für den nächsten Tag war brauchbarer Wind angesagt, so dass wir die ca. 40 Seemeilen von Tananger entlang des Jærens Rev nicht nur auf den Motor angewiesen waren. Jærens Rev ist eine mit Steinen durchzogene Sandbank zwischen Tananger und Egersund, die geringe Tiefen aufweist und bei starken Winden zu ungemütlichem Seegang führen kann. Bei Sturm sollte man das Gebiet meiden, will man nicht zu einem der vielen Wracks werden, die an diesem Küstenabschnitt aus früheren Zeiten zu beklagen sind. Aber wir hatte nur leichte, nordwestliche Winde, so dass wir streckenweise sogar mit Gennaker unterwegs waren. Trotz des wenigen Windes hatten wir einen unangenehmen achterlichen Schwell, der Annette die Fahrt nicht zum Vergnügen hatte werden lassen. Aber als wir zwischen den großen und kleinen Felsen bei herrlichem Sonnenschein auf unsere kleine Bucht Gyashavn zusteuerten, war die Seekrankheit schon fast vergessen, so idyllisch war der Anleger in dem Naturhafen umgeben von teilweise bewaldeten Felsen, den wir uns ausgesucht hatten. Ein Platz am Holzsteg war noch frei und wir konnten mit Heckanker anlegen. Da für den nächsten Tag tolles Wetter vorausgesagt war, wollten wir hier den folgenden Tag verbringen, ein wenig baden und eine kleine Wanderung in der Umgebung machen.

Und so machten wir uns nach dem Frühstück und einem morgendlichen Bad zu einer kleinen Wanderung auf den Weg. Zu einem nicht weit entfernten Strand wollten wir. Abweichend von der Beschreibung im Hafenführer, der die Wege als einfach beschrieb, ging es über Stock, Stein, Wurzeln und Felsen mit teilweise auch kleinen Klettereinlagen durchs Gelände. Unterwegs wünschte ich mit vor allem meine Wanderschuhe, sind wir doch nur mit einfachen Sneakers losgelaufen. Auch ließ mich nach wie vor die Prellung in meinem Knie nicht wie ein Reh (welchem wir unterwegs sogar begegneten) von Stein zu Stein hüpfen, sondern fast jeder Schritt bei Aufstiegen und Abstiegen musste gut bedacht werden. Aber es war eine herrliche Wanderung, ein schöner steiniger Strand und tolle Blicke auf „unseren“ Hafen für zwei Nächte.

Morgen soll es nach einem kurzen Versorgungsstopp in Egersund ein paar Buchten weiter Richtung Flekkefjord gehen. Das Wetter soll in den nächsten Tagen noch ganz passabel blieben.

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