Hinein in die Ostsee?

Den Regentag in Farsund haben wir gut überstanden. Das konnten wir vor allem deshalb gut, weil die Aussichten für die nächsten Tage Hoffung gaben. Es sollte also wieder besser werden.

Regentage im Hafen kann man dann für so ganz profane Dinge nutzen, die man auf einer langen Reise immer mal wieder machen muss: Wäsche waschen. In Farsund besonders gut zu machen, da die Waschmaschinen hier kostenlos genutzt werden können. Allerdings unterlief mir ein kleines Missgeschick beim Befüllen der Maschine. Da ich das Waschmittel in Form von Waschmittel-Tüchern erst nachträglich in die Maschine mit der schon nassen Wäsche gegeben hatte und die Maschine nach dem Neustart erstmal Schleudern wollte, löste der Schleudergang verbunden mit den Tüchern eine kleine Schaumparty in der Waschmaschine aus, so dass der Schaum aus der Waschmittelschublade herausquoll und den ganzen Boden beschäumte. Da ich leider nichts finden konnten, womit ich die Sauerei hätte wegmachen können, musste ich wohl beim Hafenpersonal anrufen und mein Missgeschick beichten. Aber kein Problem, schon bald war jemand da, der den Boden vom Schaum befreite.

Wo endet eigentlich die Nordsee und wo beginnt die Ostsee? Man sagt ja, wenn man im dänischen Skagen beide Füße ins Wasser steckt, ist der eine in der Ostsee, der andere in der Nordsee. Aber so einfach ist das nicht… Laut dem IHO (Internationales Hydrograische Organisation) endet die Nordsee ganz woanders. Nämlich in eine Linie von Kap Lindesnes zum dänischen Hanstholm. Und fängt dahinter die Ostsee an? Nein. Bevor die Ostsee beginnt, kommt zunächst noch das Skagerrak und das Kattegat als „Übergangsbereiche“ zwischen der Nord- und der Ostsee. Das IHO schlägt dann aber doch das Skagerrak als einen Teil der Nordsee eben dieser zu. Das Kattegat verbindet dann das Skagerrak mit der Ostsee. Ein bisschen Licht ins Dunkel bring diese Karte, die ich mal bei Wikipedia rauskopiert habe.

Ich würde es dann daher mal so formulieren: Wenn man also in Skagen beide Füße ins Wasser hält, ist der eine im Skagerrak (als Teil der Nordsee) und der andere im Kattegat (als Übergangsgewässer in die Ostsee.). Alles klar?

Auf jeden Fall rundeten wir nach unserer Abfahrt aus Farsund das Kap Lindesnes. Es ist nicht nur der Übergang von der Nordsee ins Skagerrak, sondern auch quasi das dem Nordkap gegenüberligende Ende von Norwegen. Also der südlichste Punkt Norwegens und daher sowas wie das Südkap 😉. Leider rundeten wir das Kap ohne die Mithilfe von Wind in Anspruch nehmen zu müssen. Der glänzte mal wieder durch Abwesenheit, so dass ich nochmal erfolglose Angelversuche unternehmen konnte. Irgenwann bequemte sich Rasmus dann doch, uns ein wenig Wind zu schicken und so ging es in die zweite Hälfte der Tagesetappe in die Schären von Mandal unter Segeln. Wir landeten dann in einer schönen Ankerbucht vor der Insel Hille.

Wir wollten die Schären von Mandal natürlich nicht verlassen, ohne dem Hauptort auch einen Besuch abzustatten. Am Morgen ging dann der Anker auf und wir fuhren die paar Meilen in den Ort. Ein netter Ort mit einem großen Sandstrand, einer ganz gemütlichen, kleinen City und einem Aussichtspunkt über der Stadt mir einem schönen Blick auf den Ort und die Schären. Nach einem Spaziergang durch den Ort, am Strand entlang und dem Erledigen von Einkäufen konnte ich in Mandal auch meine Angelausrüstung ergänzen, in der Hoffnung, doch noch mal einer Fischmahlzeit habhaft zu werden. Die nächste Nacht wollten wir dann wieder vor Anker oder an einer Anlegestelle in den Schären verbringen, daher brachen wir nach unseren Erledigungen und Spaziergängen wieder auf. Allerdings fanden wir keinen geeigneten Platz bzw. keinen der uns Gefallen hätte, daher landeten wir ein paar Seemeilen weiter dann doch in dem kleinen Hafen von Tedge, einem Ferien- und Angelressort. Allerdings war es eine sehr schöne Fahrt durch den Nordsund.

Für Annette brachen nun die letzten beiden Urlaubstage an. Unseren Plan mit dem Boot nach Oslo zu fahren, hatten wir nach einer detaillierteren Planung schon vor Annettes Ankunft in Bergen aufgegeben. Es wäre zwar sicher möglich gewesen, aber nur mit einigen längeren Schlägen. Und für Annette waren die 3 Wochen ja nun ihr Jahresurlaub, der auch etwas Erholung vom Arbeitsleben bringen sollte. Daher hatten wir schon vor ein paar Wochen in Kristiansand einen Leihwagen reserviert, mit dem wir nach Oslo fahren wollten, um dort noch für einen Nachmittag auf eine kleine Erkundungstour zu gehen. Für die Nacht vor Annettes Abflug hatten wir ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebucht, da wir zur Gepäckaufgabe schon um 8:00 Uhr spätestes dort sein mussten.

Zuvor aber stand noch die letzte Segeletappe von Tegde ins ca. 25 Seemeilen entfernte Kristiansand an. Und es wurde für Annette ein perfekter letzter Tag auf dem Wasser. Schöner Segelwind bei wenig Welle, Sonne pur (bis auf eine kurzzeitig an uns vorbeiziehende Gewitterfront), Badestopp zur Abkühlung, Angelerfolg (der Einkauf in Mandal hatte sich gelohnt) und somit frischen Fisch für das letzte Abendessen an Bord sowie eine kurze Begegnung mit ein paar Delphinen. Die war aber leider so kurz, dass das Handy für ein Foto nicht zum Einsatz gebracht werden konnte. Und wir hatten auch noch Zeit, einen kleinen Rundgang durch das abendliche Kristiansand zu machen, welches uns ganz gut gefallen hat. Eine im 17 Jahrhundert als Militärstützpunkt und Handelsplatz geplante Stadt mit Schachbrett-Straßenzügen, netten Lokalen an der Fiskerbrygge, der Festung Christiansholmen, einem Dom und auch hier die typischen weißen Holzhäuser im Stadtteil Posebyen.

Morgen geht es dann mit dem Leihwagen 400 km über Land nach Oslo und für Annette nach Hause. Aber alleine bleibe ich nicht. Für eine Woche wird dann Konstantin dabei sein 🙂

Ein Gedanke zu “Hinein in die Ostsee?

Hinterlasse eine Antwort zu insightful39a8f990a9 Antwort abbrechen