Von Norwegen in die schwedischen Westschären und nach Göteborg

Für 8 Uhr hatten wir mit unseren Nachbarn im Päckchen unsere Abfahrt abgesprochen und um kurz nach 8 hatten wir dann pünktlich abgelegt. Die Wind- und Wettervorhersage war gut und sollte den Motoreinsatz bis auf kurze Passagen in den Schären überflüssig machen.

Also gingen kurz nach der Ausfahrt aus den Schären von Risør die Segel hoch. Nach drei Stunden schlief der Wind dann doch ein und wir mussten nun leider den Motor zur Hilfe nehmen. Nach ca. zweieinhalb Stunden kam er aber aus einer leicht veränderten Richtung und etwas stärker wieder. Auch zogen ein paar Regenwolken auf, die ein paar Böen mitbrachten, so dass wir dann sogar das Großsegel verkleinern mussten. Unterwegs begegneten wir der Fähre von Oslo nach Kiel recht nahe. Auch die Wellen nahmen allmählig zu und als dann die schwedischen Schären in Sicht kamen boten diese uns ein schönes Farbenschauspiel zusammen mit den bedrohlich wirkenden Wolkenformationen. Konstantin meinte, ob wir gleich auf dem Mond landen, so unwirtlich sahen die baumlosen und schroffen Schären aus. Ein krasser Gegensatz zu der norwegischen Landschaft mit bewaldeten Felsen und Hügeln, verziert mit bunten Sommerhäuschen.

Nachdem uns die Schären dann erfolgreich und ohne Felskollision verschlungen hatten, wollten wir uns ein nettes Plätzchen an einem Felsen suchen. Wir hatten bald auch eine schöne Bucht mit freien Plätzen gefunden und es ging daran, langsam auf den Fels zuzufahren, den richtigen Zeitpunkt für das Herablassen des Heckankers zu finden, vorne auf den Felsen überzusteigen und die Vorleinen an einem im Felsen befestigten Ring zu belegen. Und dann kam das, was den Plan total über den Haufen warf und für einiges an Stress sorgte. Eine tüchtige seitliche Böe sorgte dafür, dass Konstantin vorne die Leine nicht halten konnte und nur mit Mühe befestigen konnte, viel blöder war allerdings, dass der zuvor festsitzende Anker wieder ausbrach und wir drohten, seitlich auf den Felsen getrieben zu werden. Dies konnte ich aber einigermaßen dadurch verhindern, dass ich den Motor Vollgas rückwärts laufen ließ. Nun konnten wir allerdings die unter starker Spannung stehende Vorleine nicht lösen. Konstantin hatte schon das Messer in der Hand, um die Vorleine zu kappen, da kamen von einem anderen Felsen ein paar freundliche (deutschsprechende 😊) Schweden uns zur Hilfe, die unsere Misere beobachtet hatten und schoben uns mit ihrem gut motorisierten Dinghi vom Felsen weg, so dass wir die Vorleine lösen konnten und wieder in freies und tieferes Wasser manövrieren konnten. Glücklicherweise war alles heile geblieben und hier nochmal vielen Dank an die unbekannten Helfer. Vom Felsen hatten wir jedenfalls genug und wir suchten uns einen völlig unspektakulären, aber sicheren und stressfreien Ankerplatz auf sandigem Grund zwei Buchten weiter. Ein wenig entnervt gab es nach 14 Stunden, in denen wir 65 Seemeilen von Flaute bis Böen um die 6 Bft. sowie Felsen-Anker-Stress gemeistert hatten um 22:30 endlich das wohlverdiente Abendessen. Und das Anlegebier schmeckte besonders gut.

Da wir uns für den nächsten Abend mit meinem Bruder und seiner Frau in Kungshamn verabredet hatte, viel der Besuch von Grebbestad aus. Die beiden machten auf Ihrer Camper-Reise zu den Aland-Inseln in den schwedischen Schären einen Stopp auf der Rückfahrt nach Hause. Trotzdem sind wir erst um 12 Uhr losgekommen, nach dem turbulenten gestrigen Abend brauchten wir ein wenig mehr Schlaf… Belohnt wurden wir aber durch herrliches Schären-Segeln. Mit einigen Kreuzschlägen zwischen großen und kleinen Felsen ging es wieder hinaus auf die Nordsee Richtung Kungshamn, wo wir pünktlich zum Abendessen im Gästehafen festmachten und eine kleine Familien-Urlaubs-Zusammenkunft feiern konnten.

Schärensegeln

Und weiter ging die Reise am nächsten Tag Richtung Süden. Wir wollten nach Kyrkesund, eine Empfehlung von meinem Bruder, der dort schon ein paarmal zum Angeln war und das auch fast genau auf halbem Weg zwischen  Kungshamn und Göteburg, dem Ort für Konstantins Rückflug, lag. Eigentlich wollten wir uns dort nochmal an einem Felsen versuchen, aber eine Pier hatte es uns dann so angetan, dass wir spontan in dem kleinen Nest Kyrkesund neben einem Fischerboot festmachten. Da wir allerdings noch etwas fürs Abendessen einkaufen mussten, in dem Dorf aber kein Købmand-Laden war, macht Konstantin noch eine Dinghi-Tour in einen benachbarten Ort, um die Zutaten für unsere Carbonara zu komplettieren. Ich machte derweil ein paar Fotos in dem wirklich niedlichen Örtchen Kyrkesund, dass eine totale Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte.

Nach einer ruhigen Nacht stand dann für Konstantin die letzte Etappe nach Göteburg an. Dort wartete am Samstagmittag sein Rückflug in die Heimat. Und wie auch die Tage zuvor, war es ein herrlicher Segeltag mit zumeist Sonnenschein und ausreichendem Segelwind. Erst als wir den Göta-Mündungsbereich kurz vor Göteburg erreichten, drehte der Wind gemeinsam mit kräftigem Regen nochmal richtig auf und wir mussten die Segel Reffen und wurden zum Abschluss des Tages auch nochmal richtig nass. Das tat aber einer in allen Belangen tollen Woche, mit zumeist Mittelmeer-Wetter und ebensolchen Temperaturen, absolut keinen Abbruch. Griechenland hätte nicht schöner sein können. Nur heißer 😉.

4 Gedanken zu “Von Norwegen in die schwedischen Westschären und nach Göteborg

  1. Avatar von Ralf Jochim Ralf Jochim

    Moin Rainer,
    mal wieder ein sehr toller Bericht, wie auch die vorausgegangenen Berichte. Tolle Fotos und Eindrücken die Du auf Deiner Reise eingefangen hast. Alles Erinnerungen die Dir niemand nehmen kann. Toll das Du uns daran teilhaben lässt.
    Wir wünschen Dir noch eine gute Weiterreise und freuen uns auf weitere tolle Berichte und Eindrücke.

    Es grüßen Dich herzlich
    Katrin & Ralf

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