Durch den Limfjord

Den Samstag nach Simons Abreise bin ich noch in Aalborg geblieben. Klar schiff machen, Wäsche waschen, Einkaufen und am Abend eine kleine Stadtrundfahrt durch die viertgrößte Stadt Dänemarks.

Während die Bebauung am Limfjordufer eher modern ist bzw. auch mit ein paar Industrieanlagen aufwartet, finden man in der 2 Reihe auch ein paar nette Straßenzüge. Am Abend war ich dann nochmal in der Streetfood-Halle und habe mir noch eine Steinofenpizza gegönnt, die mich am Abend zuvor schon anlächelte.

Für den Sonntag war dann recht frischer Wind aus West angesagt, leider aus der Richtung, in die meine Reise weitergehen sollte. Also Motor an und abgelegt. Aussicht auf Segeln hatte ich für diesen Tag also nicht. Aber es kam noch schlimmer… Die ersten 2 Seemeilen entlang des flussartigen Limfjords ging es noch ganz gut und ich kam mit ca. 4 Knoten Fahrt gegen den Wind eigentlich gut voran. Nach ein paar Biegungen erreichte ich dann aber eine recht offene Wasserfläche, wo mir der steife Wind nun genau auf die Nase stand. Noch mehr Bremskraft entfalteten jedoch die kurzen und steilen Wellen, in denen sich Canata immer wieder feststampfte. In Böen, die sicher auch mal 6 bis an die 7 Bft. hatten (ich kann es nur schätzen, da meine Windanzeige ja kaputt ist), viel meine Geschwindigkeit auch mal unter 2 Knoten. Und leider Bestand wenig Aussicht, dass sich die Bedingungen in nächster Zeit ändern würden. Also drehte ich kurzerhand und lief die 5 Seemeilen wieder zurück nach Aalborg, die sich Canata gegen den Wind hart erarbeitet hatte. Nun aber konnte ich das Vorsegel setzte, da ich den Wind jetzt von hinten hatte und brauchte für den Rückweg nicht ein Drittel der Zeit des Hinwegs…Den Rest des Tages verbrachte ich mit einem Nickerchen, das Schreiben meines letzten Berichtes und mit dem Zubereiten eines leckeren Nudelauflaufs.

Für den nächsten Tag war zwar keine Änderung der Windrichtung in Aussicht gestellt, aber in der Stärke sollte er so weit nachlassen, dass ich meine (Motorboot-)Reise durch den Limfjord fortsetzen konnte. Eigentlich riesige Wasserflächen, die der Limfjord aufzubieten hat und geradezu zum Segeln einladen, aber im östlichen Teil ist davon nur eine schmale Rinne mit ausreichendem Tiefgang versehen, so dass man keine Möglichkeit hat, gegen den Wind aufzukreuzen. Schon kurz neben den teilweise nur wenigen Zig-Metern breiten Fahrwassern fällt die Wassertiefe auf unter einen Meter. Das ändert sich erst nach dem Ort Løgstør hinter der Aggersundbrücke, den ich nach 6,5 Stunden Motorfahrt erreichte. Eigentlich wollte ich noch weiter bis zu kleinen Insel Livø. Aber ich hatte für heute genug von Motorfahrt.

Erst seit 1825 ist über den Limfjord eine durchgehende Passage zwischen Nord- und Ostsee möglich. Eine Sturmflut sorgte dafür, dass das letzte Stück Land etwas östlich von Løgstør durchbrach und heute insbesondere für Freizeitkapitäne eine attraktive Alternative zur Rundung von Skagen auf dem Weg von der Nord- in die Ostsee darstellt. Die Geschichte des Limfjords kann man sich im Limfjordmusset in Løgstør genauer erzählen lassen.

Die fehlenden 11 Seemeilen bis Livø machte ich dann am nächsten Tag. Von diesen konnte ich sogar ein Paar unter Segeln zurücklegen 😊. Livø, eine Insel wie ich sie mag. Klein, ruhig und sie verbreitet eine typisch dänische Gelassenheit. Ein Kaufmannsladen mit Café und natürlich autofrei. Ein Bauernhof und viel Natur, Strände, Wälder und Steil-Küsten. Eigentlich auch gut per Pedes zu erkunden, aber ich nahm dann doch mein Klapprad zur Hilfe und radelte einmal rund Livø. Da nicht alle Wege für ein Klappfahrrad (für ein MTB sicher) geeignet waren, musste ich gelegentlich über Stock und Stein schieben. Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt 😉. Livø erinnerte mich sehr an die reizenden Inseln in der dänischen Südsee, die wir 2023 mit Canata besuchten. Und da ganz besonders an Lyø, die auch einen ganz ähnlichen Namen hat.

Nach dem entspannten Tag gestern wollte ich auf meinem weiteren Weg zur Nordsee eigentlich noch eine Nacht vor Anker bei der Insel Vanø ganz in der Nähe der Oddesundbrücke verbringen und die letzten Meilen bis Thyborøn dann am nächsten Morgen zurücklegen. Da es aber so gut lief, bin ich gleich bis Thyborøn am westlichen Ende des Limfjords durchgerauscht. Endlich konnte ich mal wieder einen ganzen Tag segeln. Von den 11 Stunden, die ich unterwegs war nur 1 Motorstunden und die Bestand aus An- und Ablegen sowie der Durchfahrt durch die Oddesundbrücke. Und dass ich keinen Stopp mehr machte war auch gut so. Am nächsten morgen war Flaute und Regen und ich lag schon entspannt im Hafen.

Hier werde ich nun abwarten, bis sich ein passendes Wetterfenster für einen größeren Schlag Richtung Helgoland auftut. Das wird voraussichtlich am Sonntag (in 3 Tagen sein), bis ich mich auf die 160 Seemeilenetappe zur deutschen Hochseeinsel begebe, oder doch noch kurz nach Rømø oder Sylt abbiege… Aber irgendwie zieht es mich langsam doch nach Hause 😊.

6 Gedanken zu “Durch den Limfjord

  1. Lieber Rainer, ich habe deine Berichte von deinem Törn mit großem Vergnügen gelesen. Du hast nicht nur die Route und viele Manöver sehr schön beschrieben, sondern auch die Atmosphäre und die vielen kleinen Details so lebendig geschildert, dass man das Gefühl hatte, selbst an Bord zu sein. Eine wirklich tolle Lektüre, vielen Dank dafür!

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  2. Avatar von Klaus13 Klaus13

    Der Limfjord fehlt mir noch in meiner Sammlung und Dein Bericht macht Lust darauf, ihn endlich mal zu befahren.

    Zum Ende einer langen Tour war auch bei mir immer so, dass ich unbedingt nach Hause wollte, je näher ich der Heimat kam.

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  3. Avatar von Ulrich Ulrich

    Wie waren Anfang August mit unserem Camper auch am Limfjord (bei Thyholm). Es liegt größtenteils abseits der Touristenströme und ist sehr beschaulich, ruhig und hyggelig. Und wer gerne angelt, ist laut Beschreibungen goldrichtig! Der Limfjord ist sogar eine Austernhochburg!

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