Canata erreicht Deutschland

Die Starkwindtage in Thyborøn habe ich eigentlich ganz kurzweilig verbracht. Ein bisschen gebastelt, ein Stecker für 12V wollte schon seit langem in mein Schaltpanel eingebaut werden und ein wenig durch den Ort gebummelt, der allerdings nicht allzu viel zu bieten hatte. Obwohl ich Orte wie diesen sehr mag. Hier ist nicht nur Freizeitschifffahrt angesagt, sondern auch eine große Fischereiflotte ansässig. Auch starten von hier noch Angelschiffe mit guten Fangaussichten in die Nordsee zwischen Dänemark und Norwegen. In der Ostsee ist die Hochseefischerei ja seit Jahren bereits völlig zum Erliegen gekommen, da die Ostsee keinen Fisch mehr hergibt. Die Dorschbestände liegen am Boden. Sogar einen ausgewanderten Angelkutter aus Heiligenhafen konnte ich hier entdecken. Daneben ist Thyborøn auch ein Standort für den Bau und die Unterhaltung von Windparks auf der Nordsee, wo im Moment eine neuer und großer Park gebaut wird. „Thor“ heißt er und wird mit 72 Windrädern ca. 20 Kilometer vor der Küste ein ganz großer. Und schon heute gut bewacht, obwohl noch kein einziges Rad zu sehen ist. Über Funk konnte ich hören, wie einige Segler aus der Baustelle verscheucht werden mussten. So wie ich zum Start meiner Reise auf dem Weg nach Lowestoft in England auch schon.

Und eine längere Radtour habe ich gemacht. Es ging rund 32 KM nach Lemvig am Limfjord etwas südöstlich von Thyborøn. Ein weit netterer Ort als Thyborøn, der sich zum Warten im Nachhinein auch sehr gut angeboten hätte. Und wieder war mein Klapp-Fahrrad-Reise-Plan: hin mit dem Wind im Rücken und zurück mit dem Zug. Und das war ein besonderer Zug. Über diese Zugstrecke gab es sogar mal eine Fernsehsendung im SWR in der Reihe „Eisenbahn-Romantik“: Die Lemvigbanen. Wer sich das anschaut, weiß dann ziemlich genau, wie ich diesen Tag verbracht habe. Der im Film von 2019 angekündigte Austausch der alten Züge ist wohl noch nicht vollzogen. Zurück nach Thyborøn ging es also in einem Zug aus den 80ern, für die es wohl kaum noch Ersatzteile gibt. War wirklich eine nostalgische Reise durch die hyggelige (nein nicht hügelig, sondern gemütlich auf dänisch) Landschaft Nordjutlands😊. Zusätzlich habe ich auf dem Hinweg mit dem Rad noch ein kleines, aber sehr interessantes Museum entdeckt. Nicht viele Exponate findet man in dem Museum über die ehemalige Rettungsstation Flyvholm, die die Geschichte der Seenotretter an der „Eisenküste“ Jütlands beschreibt. Und eine Warnung vor dieser „Eisenküste“ konnte ich auch finden, siehe Foto unten. Also war ich gewarnt für meine nächste Etappe Richtung Süden…

Den Abend habe ich dann mit Wilhelm und seiner Familie verbracht. Er sprach mich im Hafen an, da er meine Berichte verfolgt 😊. Wir sind gemeinsam ein wenig in einem Segel-Forum aktiv und kannten uns bisher nur unter unseren Pseudonymen in der anonymen Welt des Internets… Daher war es sehr nett, jemand aus der Anonymität nun mit einem Gesicht verbinden zu können. Auch Wilhelm war mit Frau und Sohn in Norwegen und nun auf dem Rückweg zum Ijsselmeer, das auch sein Heimatrevier ist. Grüße nach Lelystad!

Aber dann war ich auch froh, dass es dann am nächsten Tag wieder losgehen konnte. Eigentlich wollte ich ja von hier entlang der Eisenküste direkt nach Helgoland durchrauschen. Aber dafür waren die Windaussichten nicht die besten. Diesmal jedoch nicht wegen zu viel Wind aus der falschen Richtung an der Eisenküste, sondern wegen zu wenig Wind. Weite Teile der Reise hätte ich mit dem Diesel bestreiten müssen. Daher machte ich nach 45 Seemeilen noch einen Stopp für eine Nacht in Hvide Sande, um eine Schwachwindperiode über Nacht abzuwarten und startet dann am nächsten Morgen direkt weiter Richtung Helgoland. 120 Seemeilen standen an, für die ich ca. 24 Stunden benötigen würde. Und da waren Sie wieder, die Windparks, die ich in den letzten Wochen in den tieferen Gewässern vor Norwegen nicht gesehen habe. Mit einem schönen und sehr klaren Sonnenuntergang ging es dann in die Nacht. Schiffsverkehr war während der Nacht Fehlanzeige. Kurz vor Sonnenuntergang bin ich noch einer 5er-Truppe von Fischern begegnet, aber dann hatte ich die Nordsee für mich. So brachte ich es in 20 Minuten-Portionen verteilt auf die Nacht auf immerhin 4 Stunden Schlaf, so dass ich verhältnismäßig ausgeruht war, als ich kurz vor Helgoland mal wieder ein paar Schiffe entdecken konnte. Gegen 10 Uhr machte ich dann auf Helgoland fest. Das war schon wie ein erstes „Nachhausekommen“. Erstens hatte ich Deutschland erreicht und zweitens mal wieder einen mir durch mittlerweile einige Besuche sehr vertrauten Hafen, wo ich mich für den Landfall nicht erst in Revierführern informieren musste, um den richtigen Platz im Hafen zu finden. Und vor allem die Tankstelle konnte ich direkt ansteuern, bei der man sehr, sehr günstig, weil steuerfrei, Diesel tanken kann. Ca. 1,15/ Liter.

Auf den großen Inselrundgang verzichtete ich dieses Mal. Nur ein paar steuerfreie Einkäufe wie Schnaps, Parfum für Annette und Zigaretten für die letzten verbliebenen Raucher zu Hause. Leider hatte die Bunte Kuh Ruhetag wie schon bei meinem letzten Besuch vor 2 Jahren, daher gab es die Kutterscholle mit Bratkartoffeln im Fährhaus. Leider lange nicht so gut, wie in der Bunten Kuh.

Am nächsten Morgen ging es dann auch schon weiter, meinem nächsten Ziel entgegen und damit auch einem freudigen Ereignis. Auf Norderney hatte ich mich mit Taavi verabredet. Meinem mittlerweile fast 5 Monate altem Enkel, den ich nun auch schon seit 3 Monaten (also mehr als sein bisheriges halbes Leben😉) nicht mehr gesehen habe und der seither sicher eine ganze Evolutionsstufe genommen hat, und den ich nun wieder kennen lernen möchte 😊. Natürlich kommt er nicht allein auf die Insel sondern wird von Franzi und Verena samt T4-Bulli begleitet. Ich freue mich!!!

Aber zuvor musste noch der Törn nach Norderney absolviert werden und der war ziemlich „schaukelig“ bei einer achterlichen Welle. Und es war viel Funkverkehr, weil sich in dem Gebiet wohl eine Militärübung mit „live-firing exercise“ abspielte. Einige Kriegsschiffe und Helis waren unterwegs. Die Anfahrt nach Norderney war dann auch noch recht spannend. Mit um die 5 Bft aus Nordost war der Wind recht frisch. Spannend war es deshalb, weil ich etwas früh am Seegat Dove-Tief ankam, als gerade erst die Flut einsetzte. In einem Seegat sind die Wassertiefen zum Teil recht gering. Im Dove-Tief allerdings für meinen Tiefgang von 1,50 Metern immer ausreichend. So hatte ich an der flachsten Stelle mit weiteren 1,50 Metern immer genug Wasser unter dem Kiel. Allerdings warf der Wind in Kombination mit der geringen Wassertiefe schon eine paar brechende Seen auf, die aber schnell überstanden waren, als ich wieder tieferes Wasser erreicht hatte. Da war ich dann aber auch froh, dass alles passte!

Glücklich und zufrieden bin ich nun auf Norderney und mache dann am Samstag ein paar Tage Familienurlaub 😊. Dann stehen die letzten Etappen in mein Heimatrevier nach Stavoren an, welches ich am Samstagnachmittag, dem 30.8. erreichen möchte. Wer also in der Nähe ist, ist herzlich auf eine Anlegebier auf der Insel in Stavoren eingeladen! Meldet Euch, damit auch genug kalt ist!

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