Von Swinemünde nach Leba

Freitag, 12.6.2015
28 Seemeilen

Wie der Wetterbericht es schon angekündigt hatte, kam der Wind bei unserer Etappe von Swinemünde nach Dziwnow aus Nord-Ost, anfangs mit 3, später mit 4 Beaufort. Also mussten wir gegen den Wind aufkreuzen. Damit verlängert sich natürlich die zu segelnde Strecke deutlich. Für die Entfernung auf direktem Weg von ca. 18 Seemeilen haben wir dann 28 gebraucht. Aber der Motor blieb meistenteils aus. Das nenne ich ökologisch wertvoll! So sieht dann „von oben“ der GPS Track aus:

Kreuzen

Ansonsten ist von dem Tag weiter nicht allzu viel zu berichten. Außer, ja außer vielleicht einem Funkverkehr, den auf Kanal 16 verfolgen konnten. Da funkte ein Segler von der Einfahrt von Stettiner Haff in die Kaiserfahrt nach Swinemünde, dass er durch ein Fischernetz gefahren ist und nun Hilfe brauch, weil die Netze sich eventuell im Kiel und der Motorschraube verfangen hatte. Ihr erinnert Euch an meinen Bericht von vorgestern? Da berichtete ich von unserer Slalomfahrt an ebendieser Stelle.  Hier nochmal das Foto:

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Also, immer Augen auf im Seeverkehr 🙂 (bei dem Segler ist dann alles gut ausgegangen, wie wir im folgenden Funkverkehr vernommen haben).

Jetzt liegen wir in dem Urlaubsort Dziwnow in einer nagelneuen Marina. Sie ist erst in diesem Jahr in Betrieb gegangen, also alles noch tip-top. Morgen ist bei angesagten Sommerwetter ein Strandtag angesagt.

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Samstag, 13.6.2015
0 Seemeilen, 0 Landkilometer

Heute war ein echt fauler Tag. Und der erste richtig heiße Sommertag in den ersten 2 Wochen. Nach dem Frühstück haben wir uns noch mit Buch- und Zeitung lesen beschäftigt und haben dann einen schönen Strandspaziergang gemacht. Ich muss wirklich sagen, wer Strände liebt, sollte mal nach Pommern an die Ostsee fahren. Wirklich tolle Strände mit herrlich feinem Sand. Was dann schon ein wenig verwundert ist, warum direkt am Strand so heruntergekommene Immobilen zu finden sind. Hat da keiner ein Interesse zu investieren? Lohnt das nicht? Fragen über Fragen…

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Und die Preise hier sind wirklich noch ziemlich kundenfreundlich. Bei unserer Mittagsrast haben wir für eine Pizza, einen Salat mit Thunfisch und zwei große Bier gerade mal 10 € (40 Zloty) bezahlt. Und das bei guter Qualität!

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Als wir heute Morgen noch auf dem Boot waren, hörte ich von der Ostsee her immer lauter werdende Motorgeräusch. Irgendwann waren Sie dann mal verklungen. Bei unserem Ausflug habe ich dann die Auflösung bekommen. Es war eine Geschwaderfahrt von Speedbooten, die einen Ausflug von Ueckermünde nach Dziwnow gemacht haben. Zwei Stunde Motorboot fahren, wir haben für die Strecke 2 Tage gebraucht…

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Sonntag, 14.6.2015
32 Seemeilen

Als ich am Morgen aus der Koje gekrochen bin und den Wetterbericht beim BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie) im Internet angeschaut hatte, zögerte ich einen kleinen Moment, ob wir uns denn auf den Weg nach Kolberg machen sollten. Wind aus West, 4 bis 5 in Böen 6, See 1,5 Meter. Das ist schon was für LuMMEL und ganz besonders für Annette. Und dann auch noch vor dem Wind mit Welle von hinten. Das versprich eine schönes Geschaukel… Sie hatte aber am Abend schon mal prophylaktisch das „Anti-Seekrankheitspflaster“ hinters Ohr geklebt. Also haben wir uns nach einer kleinen Abstimmung mit unserem Nachbarn, der den gleichen Weg vor sich hatte, auf den Weg gemacht. Vorher hatte ich im Hafen schon einmal unser Großsegel eine Nummer kleiner gemacht, der Segler nennt das „Reffen“, um die Segel an die Windgegebenheiten anzupassen.

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Es wurde eine Rauschefahrt mit Spitzen von 22 Knoten Wind, also gerade der Beginn von Windstärke 6, Nieselregen und teilweise Sichtweiten um nur 1 Seemeile. Und wieder einmal muss ich meine Windsteueranlage erwähnen, die auch heute hervorragende Arbeit geleistet hat. Annette hat fast die ganze Zeit geschlafen, ist aber Dank des Pflasters nicht Seekrank geworden. Und unterwegs kommt einem auch gelegentlich mal etwas Treibgut entgegen. Hier nur ein Schwimmreifen. Gefährlicher wär ein Seecontainer, der einem Containerschiff abhandengekommen ist. Auf der Ostsee ist das eher selten, auf dem Atlantik nicht so ungewöhnlich, wie ich schon des Öfteren gelesen habe.

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Kurz nachdem wir dann im Hafen von Kolberg festgemacht hatten, hörten wir jemanden „Hallo Lümmel“ rufen. Das waren die Eigner der gr0ßen Lümmel, die wir schon in Stralsund und Swinemünde getroffen hatten. Ihr Ziel, wie auch eines meiner nächsten Etappenziele: Danzig.

Morgen ist dann wieder Kulturprogramm angesagt. Stadtbesichtigung von Kołobrzeg, so der polnische Name von Kolberg.

Montag, 15.6.2015
0 Semmeilen, Asphalttreten….

Zunächst mussten wir mal eine Entscheidung treffen. Wann fährt Annette gen Heimat? Da die nächsten zwei Tage noch gutes Wetter für meine Weiterfahrt angesagt war, entschlossen wir uns, dass Annette schon am Dienstag, zwei Tage früher nach Hause fährt, damit ich das gute Wetterfenster für die Weiterfahrt nutzen konnte. Ab Donnerstag sollte es schlechter werden und ich hätte dann weitere 2 Tage in Kolberg festgesessen.

Apropos Kolberg. Den „wichtigsten Sole-Badeort“ an der polnischen Ostseeküste haben wir natürlich auch noch erbummelt. Heute ist Kolberg eine Stadt mit rund 45.000 Einwohnern. Von Kolberg ist nach dem 2. Weltkrieg nicht viel, besser gesagt: nichts übrig geblieben. Nachdem die Stadt vor dem Einmarsch der Russen von den bis 1945 dort lebenden Deutschen zu nahezu 100% verlassen wurde, viel Kolberg der russischen Zerstörung zum Opfer. Sie wurde dem Erdboden gleich gemacht und danach von polnischen Bürgern neu (zwangs-)besiedelt und aufgebaut. Die „alten“ Fassaden in der Stadt sind zum größten Teil Repliken. Der meiste Teil sieht recht allerdings recht „sozialistisch“ aus. Trotzdem ist Kolberg ein recht angenehmer Aufenthaltsort.

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Nach dem Bummel durch Kolberg war noch ein wenig Hausarbeit angesagt. Sonst muss man in einem Urlaub ja eigentlich nicht wirklich waschen. Aber wenn man etwas länger unterwegs ist, sieht das natürlich anders aus…

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Morgen werde ich dann Annette auf den Weg nach Hause bringen und mich selber auf einen langen Schlag nach Leba.

Dienstag, 16.6.2015
85 Seemeilen, Nachtfahrt

Abschied. Seitdem wir uns kennen, haben wir uns so lange noch nicht, nicht gesehen! Also schon ein komisches Gefühl. In rund zwei Monaten werden wir uns auf Bornholm wiedersehen. Küsschen und Bye-Bye… (Vielen Dank an Heide und Joachim Buske von der „Frau Luna“aus Hamburg für den Lift zum Bahnhof und den netten Plausch am Vorabend!)

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Gemeinsam mit meinem Namensvetter „Lümmel“ habe ich mich dann gegen 11: Uhr auf die Etappe von Kolberg nach Leba gemacht. Vorher habe ich alles vorbereitet, Seekarten bereit gelegt und die Flagge „Una“ gesetzt, die mich als Einhandsegler erkennbar machen soll.

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Warum eine so lange Etappe mit Nachtfahrt? Weil zwischen diesen beiden Orten polnische Militärübungsgebiete sind. Da sie quasi vom Strand bis an die 12 Seemeilengrenze reichen, müssen sie umfahren werden. Es sei denn, sie sind nicht gesperrt. Da aber im Moment wohl Nato-Manöver der Polen und weiterer östlicher Natomitglieder und Ostseeanrainer im Gange sind, wollte ich auf die Öffnung nicht warten. Diese Manöver scheinen wohl auf die Situation in Russland zurückzuführen zu sein. Kräfte messen also. Dann habe ich diesen langen Schlag wohl indirekt Herrn Putin zu verdanken… Und kontrolliert, dass keiner da durch fährt wurde auch!

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Westliche Winde der Stärke 3-4 in Böen 5 waren angesagt und ich nehme es vorweg, es kam dann auch so. Also für die Richtung von West nach Ost optimal und es wurde eine schnelle Etappe mit einem Schnitt von über 5 Knoten. Wenn man bedenkt, dass meine Boot eine Rumpfgeschwindigkeit („Höchstgeschwindigkeit“ von Booten, errechnet sich aus der Länge, Formel auf Anfrage ;-)) von ca. 6 Konten hat, nicht schlecht. Und schon bei diesen eher noch moderaten Winden baut sich auf der Ostsse schon eine schöne Welle auf, wie auf den beiden Fotos unten zu sehen ist. Die größten schätze ich auf ca. 1,5 Meter.

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Und das erste Mal auf dieser Reise, ging es in die Nacht hinein.

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Um 4 Uhr morgens bin ich dann in Leba angekommen: ziemlich durchfroren. Es wurde dann am Morgen doch schon recht kalt. Und müde war ich auch, obwohl ich mir in der Nacht vier oder fünf 15-Minuten-Schläfchen gegönnt hatte. Nach einem gemeinsamen kleinen Frühstück mit Bier bei Andreas und Frauke von meinem Begleiter Lümmel (Danke für die Gastfreundschaft) bin ich dann ins Bett gefallen.

Mittwoch, 17.6.2015
0 Seemeilen

Nachdem ich dann um halb 12 wieder unter den Lebenden war, habe ich erstmal aufgeräumt (dazu hatte ich nach meiner Ankunft keine Lust mehr) und natürlich gefrühstückt um mich dann mit dem Leifahrrad auf den Weg zu machen und mir das anzuschauen, was der Grund dafür ist, überhaupt nach Leba zu fahren: Die 42 Meter hohe Wanderdüne „Lontzkedüne“ (polnisch Wydma Lacka). Sie liegt auf einer Nehrung zwischen dem Lebasee und der Ostsee und ist Teil des Slowinzischen Nationalparks, der u.a. auch aus weitereichenden Wäldern besteht. Schon ein beeindruckender Sandhaufen. Die Düne wandern ca. 10 Meter pro Jahr. Und dass die Düne auch wirklich wandert erkennt man daran, dass die Wegbegrenzungen gelegentlich wohl mal verschwinden…

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Das erste Bild ist nicht an der „Wilden Wiese“ im Sauerland beim Schlittenfahren entstanden, sieht aber fast so aus. Ansonsten ist Leba ein quirliger Badeort mit vielen touristischen Angeboten.

Für mich geht es morgen, gutes Segelwetter vorausgesetzt, dann wohl weiter nach Wladyslawowo. Das sich das Wetter vermutlich ändern wird, zeigt das nächste Bild ganz schön. Cirren am Himmel. Allerdings: In Frauen und Cirren kann man sich irren! (Anm: Während ich diese Zeilen scheibe, regnet es schon…)

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11 Gedanken zu “Von Swinemünde nach Leba

  1. Norbert Deck

    Hallo Rainer, wieder ein toller Bericht und so geschrieben, dass man richtig dabei ist. Freue mich immer auf die Fortsetzung. Habe heute Deine „kleine“ LIBERTA fertig gemacht, damit ich wenigstens auch mal wieder Wasser unter dem Kiel habe. Toller Bericht, bitte bald fortsetzen.
    Herzliche Grüße und eine schöne Zeit, Norbert

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  2. Frank Rehmann

    Hallo Rainer, oder besser dobry wievzor, freut mich sehr zu hören das es bei Dir so gut läuft. Sitze gerade auch in Polen, Dabrowa Gornicza. Habe es aber nicht so gut wie Du, muss nämlich arbeiten. Ich wünsche Dir, dass es weiterhin so gut geht und noch einen schönen Törn. LG Frank

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  3. Anonymous

    Hallo Bruder, tolle Berichte! Aber wann packst Du denn mal die Angel aus? Da gibt es bestimmt Fisch – man kann es quasi riechen! Viel Spass noch und immer schön vorsichtig sein!

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  4. Ulrich Stobbe

    Hallo Bruder! Tolle Berichte, aber wann packst Du Deine Angel aus? Da gibt es doch Fisch, man kann es quasi riechen! Viel Spaß noch und sei immer schön vorsichtig!

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