Von Kopenhagen nach Spodsbjerg, Langeland

Donnerstag 13. August 2015
36 Seemeilen

Bevor es am Morgen losging mussten wir noch unsere Fahrräder zurückbringen und ein paar Besorgungen machen. Auch die Batterien für meine Taschenlampe waren schon recht müde und wollten erneuert werden. Wie sich zwei Tage später zeigt, eine gute Entscheidung.

Um 11 Uhr sind wir dann durch die Brücke am Christianshafen ausgelaufen und auf der Strecke, die ich einige Tage zuvor mit Jörg nach Kopenhagen hinein gefahren bin, ging es nun wieder hinaus. Nach einem Tankstopp ging es dann wieder vorbei an der Öresundbrücke, dem großen Windpark aber dann nicht nach Schweden zurück, sondern weiter Richtung Westen. Vorbei an mächtigen Seezeichen, patroullierenden Marinebooten und an den Stevns Klingt, wo eine alte Kirche ganz nahe auf den Kreide-Klippen steht.

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Wie ich schon erwartet hatte, waren die ersten Stunden eine Angelegenheit für den Motor. Erst gegen 16:00 kam Wind auf, so dass ich die Segel setzten konnte. Der Wind wurde dann aber in kurzer Zeit doch so stark, dass wir uns entschieden, nicht in den Bögestrom einzulaufen, sondern schon 15 Meilen vorher nach Rödvig zu gehen. Zumal über Funk von Lyngby-Radio und Bremen Rescue Sturmwarnungen eingingen. Das war eine gute Entscheidung. Schon bald nach unserer Ankunft frischte der Wind noch einmal kräftig auf und die Wellen nahmen deutlich zu. Gut, dass wir sicher, allerdings etwas unruhig, im Hafen lagen. Allein die Surfer kamen nun „aus ihren Löcher“ heraus, um den starken Wind und die Wellen fürs Preschen über die Wellen zu nutzen.

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Die Nacht wurde sehr unruhig. Bei Windböen bis an die 7 Bft. schaukelte LuMMEL ganz schön…

Freitag, 14. August 2015
Hafentag

Da der Wetterbericht für den ganzen Tag starken bis stürmischen Wind aus Ost voraussagte, blieben wir in Rödvig. Ein kleiner Fischereihafen mit allem, was man für einen Hafentag so braucht. Insbesondere Ziele für ein Landprogramm. Von Rödvig aus führt ein schöner Trampelfahrt auf der Steilküste von Stevns Klint entlang. Auf diesem Weg kommt man vorbei an einem weiteren Zeugen des kalten Kriegs (wie ich schon auf Arholma in Schweden besichtigt habe), der alten Kirche, die wir tags zuvor schon von See gesehen haben und dem Leuchtturm Stevns Klint, der den Schiffen Orientierung im Öresund gibt. 8 Kilometer lang und recht stürmisch war unsere kleine Wanderung. Vom Leuchtturm aus konnten wir dann mit einem Touristenbus kostenlos (!) wieder zurück nach Rödivig fahren. Ein schöner Ausflug!

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Trotz des doch sehr stürmischen Wetters kamen am Nachmittag ein paar Yachten eingelaufen.Einige konnten wir auf unserem Spaziergang in den Wellen sehen. Ausgelaufen war an diesem Tag niemand aus Rödvig.

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Gegen Abend, es mag ca. 19:00 Uhr gewesen sein, konnte man eine 40-Fuss-Yacht beobachten, die ebenfalls versuchte, in den Hafen von Rödvig einzulaufen. Allerdings nur unter Vorsegel. Als sie fast schon im ruhigen Vorhafen war, drehte sie jedoch wieder ab. Ein paar Leute standen am Kai und beobachteten die Situation. Wie ich dann erfuhr, hatte die Crew große Probleme, sie hatten einen Motorschaden und auch die Segel waren nicht mehr voll einsetzbar und das Boot damit nicht mehr voll manövrierfähig. Der Skipper versuchte , in den Hafen unter Segeln einzulaufen. Er unternahm noch einen zweiten Versuch, den er aber auch abbrach.

Ein anderer deutscher Segler, der mit seinem Boot in Rödvig lag, war zufällig im Hafencafe, als dort per Handy bei Cafe-Inhaber der Notruf des Skippers einging. Guido koordinierte daher dann die Rettungsversuche per Handfunkgerät von Land aus, nahm Kontakt mit Lyngby Radio auf und schilderte dort die Situation.

Lyngby Radio beorderte dann ein in der Nähe befindliches, 44 Meter langes Militärboot zum Havaristen, um den Seglern Hilfestellung zu leisten. Dieses war dann auch recht schnell vor Ort. Und aus der Ferne sah man nun auch Leuchtraketen, die von der Crew abgefeuert wurden. Da sich beide Schiffe dann immer weiter vom Hafen entfernten, gingen alle davon aus, dass man eine Lösung gefunden hatte und alle verkrochen sich bei dem heftigen Wind mit einem unguten Gefühl in die Boote. Draußen kachelte es immer noch mit 7 , auch mal 8 Bft und es war mittlerweile dunkel geworden.

Ich beobachtete dann auf meinem Plotter, dass sich das Militärboot plötzlich wieder dem Hafen näherte, erst auf 5 Meilen, dann 4 , dann 3 und bin dann bewaffnet mit Handfunke, Fernglas und Taschenlampe (gut, dass die neue Batterien hatte) auf die Hafenmauer gegangen. Von dort sah ich dann die Lichter der beiden Schiffe auf den Hafen zukommen, Mittlerweile waren auch ein paar andere Segler da und wir machten uns bereit, dem Havaristen bei einer Einfahrt in den Hafen Hilfestellung zu leisten. Allerdings waren wohl die Segel, des Schiffes dann doch soweit soweit demoliert, dass der Skipper das Schiff nicht mehr in den Hafen hinein segeln konnte, sondern an der Einfahrt vorbei direkt auf den Strand zu trieb. Mit den Beinen in der Hand sind wir dann in Richtung Strand gelaufen. Als wir ankamen lag das Boot schon auf der Backe, glücklicherweise nicht auf Steinen, sondern auf Sand. Ein Helfer machte sich dann mit einem langen, von uns mitgebrachten Seil auf den Weg durch das hüfttiefe Wasser, um der 4-köpfigen Crew an Land zu helfen. Währenddessen traf auch ein durch das Militärboot herbeigerufener Helikopter ein, wie wir aber über Funk erfuhren, konnte er in dieser Situation nicht helfen. Er leuchtete lediglich das havarierte Schiff an, um unsere Rettungsarbeit zu unterstützen. Nach und nach kamen dann alle 4 Crewmitglieder sicher an den Strand. Freundliche Dänen mit einem Ferienhaus am Strand haben die Crew dann direkt aufgenommen und sehr verwöhnt, wie mir ein weibliches Crewmitglied am nächsten Morgen erzählte, als sich sie noch einmal am Strand beim havarierten Boot traf. Für sie war es der erste Segeltörn und dann mit so einem katastrophalen Verlauf und Ende…

Die Yacht war am Mittag in Kopenhagen gestartet. Die Wettervorhersage dort sagte wohl deutlich weniger Wind voraus, als es dann tatsächlich wurde. Dies bestätigten auch anderen Segler, die an diesem Tag von Kopenhagen aufgebrochen waren. Ein Motorausfall, gerissene Segel und eine dann sehr erschöpfte und zum Teil unerfahrene und auch seekranke Crew haben zu dieser Strandung geführt. Glücklicherweise am Ende nur mit Sachschaden…

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Samstag, 15. August 2015
19 Seemeilen

Nach der Aufregung am Vortag hat man dann doch ein mulmiges Gefühl, wenn man selber wieder in See sticht. Zumal es am Morgen immer noch recht windig war. Daher hatten wir uns auch erst am Mittag, als es wesentlich ruhiger wurde und auch die Welle etwas moderater war, auf den Weg nach Kalvehamn gemacht. Gemeinsam mit Torben und seiner Comfortina 32, der ebenfalls an der abendlichen Rettung beteiligt war, liefen wir gegen 14:00 Uhr aus Rödvig aus. Halber Wind der Stärke 4 brachte uns recht zügig in den Bögestrom, ein recht geschütztes Fahrwasser nordwestlich der Insel Mön. Waren anfangs noch ein paar vereinzelte 2-Meter-Wellen dabei, wurde es dann aber sehr ruhig und auch der Wind nahm stetig ab. Gemächlich sind wir dann die Strecke bis zu unserem Ziel gesegelt. Am Abend haben wir dann noch mit Torben auf LuMMEL ein Bier getrunken und den Vorabend Revue passieren lassen…

Sonntag, 16 August 2015
50 Seemeilen

Manchmal ist es zum Heulen. Entweder wenig bis gar kein Wind, oder gleich so viel, dass man nicht raus gehen kann. Heute ein Tag mit wenig Wind und morgen wieder Sturm aus Ost. Also hatte ich mich für heute dazu entschieden, am Morgen um 6 Uhr auszulaufen, um eine längere Etappe Richtung Kiel zu absolvieren, idealerweise bis Spodsbjerg (50 SM) oder Bagenkop (65 SM) auf Langeland. Als ich um 6:10 ablegte war gar kein Wind. Also hieß es Motor an und durch den Ulvsund, über den Mellemgrund, unter ein paar hohen Brücken in das Smalands-Fahrwasser und gemeinsam mit ein paar Schwänen weiter in den Großen Belt Richtung Langeland.

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Kurz nach dem Start konnte ich dann aber endlich einmal eine kleine Gruppe von Schweinswalen erspähen, die ebenfalls schon früh unterwegs waren. Für ein Foto haben die Auftauch-Phasen leider nicht gereicht. Aber genau auf diesem Fleck Wasser waren sie eben noch zu sehen:

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Nach fünf Stunden Motorfahrt kam dann auch ein wenig Wind auf, so dass ich zusätzlich zum Motor die Segel setzte. Zeitgleich mit dem Wind trudelten dann auch schon die ersten Starkwind- un Böenwarnungen von Lyngby Radio auf Kanal 16 ein. Also weiter motoren, da der Wind nicht kräftig genug war, um eine gute Geschwindigkeit zu erreichen und den Hafen von Spodsbjerg noch vor dem angesagten Starkwind zu erreichen.

Morgen, übermorgen und mit etwas Pech auch am Mittwoch werden wir hier in Spodsbjerg wohl eingeweht sein. Die Windvorhersage spricht von östlichem Wind bis zu7 Bft. in den nächsten Tagen. Während ich diesen Text schreibe schaukelt es schon wieder ganz schön im Hafen…

Ein Gedanke zu “Von Kopenhagen nach Spodsbjerg, Langeland

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