Von Hankö nach Utö

Montag 13. Juli 2015
23 Seemeilen

Nachdem ich heute Morgen noch die anstehenden Besorgungen in einem Geschäft für Segelzubehör in Hankö gemacht habe, noch ein paar Bastelabrbeiten an Bord erledigt hatte und mich von Heinz und der Fenris verabschiedet hatte (www.syfenris.wordpress.com), ging es gegen Mittag los. Danke an Heinz für die Fotos!

 

Raus aus dem Hafen von Hankö und in das Schärenfahrwasser Richtung Westen. Ich fühlte mich im ersten Moment fast schon ein wenig überfordert. Auf der Reise durch Polen und die Baltischen Staaten waren Seezeichen eine wahre Seltenheit. Hier in den Schären wimmelt es nur so davon. Kardinaltonnen, Fahrwassertonnen und Richtmarken an Land leiten dem Wassersportler den Weg durch das Insel- und Felsengewimmel. Es dauerte schon gute 2 bis 3 Stunden, bis ich mich auf die neue Situation eingestellt hatte und ich den Blick in die Seekarte mit dem Blick an Land in Einklang bringen konnte.

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Dann war es eine herrliche und für mich die erste Fahrt durch ein echtes Schärengewässer. Zwischendurch hat mich dann auch noch ein Finne auf ein Seezeichen hingewiesen, auf dessen Topp ein brütendes Seeadlerpärchen wohnt. Sind doch Seeadler, oder? In Südfinnland kommen sie jedenfalls vor, sagt Wikipedia…

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Wer mich kennt weiß auch, dass ich doch immer irgendwie ein Haar in der Suppe suche… und auch finde! Ein wenig nervend sind hier die schnellen Motorboote, die teilweise mit hohen Geschwindigkeiten in 5 bis 10 Metern Entfernung an den Seglern vorbei rauschen, dabei eine Welle erzeugen, die meine LuMMEL dabei fast zum Kentern bringt. Aber das ist das Haar dann auch schon 😉

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Ich hatte mit vorgenommen, heute mal nicht in einen Hafen zu gehen, sondern die Nacht vor Anker geschützt zwischen den Schären zu verbringen. Das Wetter und der Wind ließ dies zu. Nach einigem Suchen hatte ich dann auch ein Plätzchen auf 10 Meter Tiefe gefunden und den Anker geworfen (Eine Bastelarbeit war übrigens ein längeres Ankerseil. Man braucht schon mind. das 4 bis 5-fache der Wassertiefe. Mein altes Ankerseil war nur 15 Meter lang). Wenn dann am Abend keine Boote mehr unterwegs sind, ist hier eine sagenhafte Stille, die nur durch Wasserplätschern und Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Ich bin gespannt, ob ich bei der Stille Schlafen kann…

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Dienstag, 14. Juli 2014
37 Seemeilen

Ich konnte schlafen! Wie ein Murmeltier. LuMMEL lag bei ruhigem Wetter sicher vor Anker auf 10 Meter Tiefe. Nach dem Frühstück ging es dann weiter in den Nationalpark des südlichen finnischen Schärenmeeres. Irgendwie finde ich es immer toll einen Ankerplatz zu verlassen und noch einmal zurück zu schauen. Irgendwas vergessen am Platz? Ne, keine Spuren hinterlassen….

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Viele kleine Inseln auf denen man festmachen kann und in deren Buchten man Ankern kann warten auf mich. Ausgesucht hatte ich mir für heute die Insel Jurmo. Ca. 27 Seemeilen Richtung Westen. Mal wieder dorthin, wo auch der Wind herkommt. Aber das Kreuzen in einem Gewässer mit wenig Welle und gutem Segelwind von 3 bis 4 Bft. macht schon richtig Spaß. Anderen ebenso. Auch wenn es mit 21 Wenden dann schon richtig „Arbeit“ war. Allein heute ca. doppelt so viele Wenden wie in den vorangegangenen 6 Wochen zusammen! Siehe blaue Linie. Und irgendwann auf dieser Etappe habe ich dann auch die 1.000 Seemeilen-Mauer durchbrochen…

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Und man muss hier wirklich auf die Steine aufpassen. Insbesondere auf die, die ganz dicht unter der Wasseroberfläche sind. Wenn ein bisschen Welle steht, kann man sie gut an den weißen Schaumkrönchen erkennen, die die Wellen dort erzeugen. Mein Seekartenplotter im Cockpit ist da schon eine große Hilfe. Allein und ohne die Elektronik wäre die Herausforderung um ein vielfaches höher, hier ohne Grundberührung durch zu kommen.

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Aus Jurmo wurde dann aber nichts. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr zu Wenden und hatte die kleine Insel Björkö genau in meiner Peilung. Ein gut geschützter Naturhafen. Festmachen am Felsen vor Heckanker. Gut, dass ich in Hankö die notwendige Ankerausrüstung ergänzt hatte.

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Aber wie geht Heckankern? Ein kleiner Exkurs: Man sucht sich einen passenden Felsen aus, fährt mit dem Boot langsam im 90°-Winkel auf ihn zu, lässt ca. 3 bis 4 Bootslängen vor Erreichen des Felsens den Heckanker ins Wasser fallen und gibt bis zum Erreichen des Felsens Leine nach. Wenn man allein ist wie ich,freut man sich, wenn freundliche Menschen dann an Land zur Hilfe kommen. Bei mir ein junger Finne mit Frau, mit dem es dann abends auch noch ein Pläuschchen und russischen Wodka bei ihnen an Bord gab. Sie hielten das Boot dann am Felsen fest und ich konnte in Ruhe eine geeignete Stellen suchen, an denen man den Bug vertäuen kann. Sind keine vorhanden (Bäume, vorstehende Felsen etc.), so macht man sich selber welche, mit sog. Schärennägeln. Hab ich dann gemacht und irgendwann lag ich dann sicher vor Heckanker an einem Felsen. Für eine Premiere hat das gut geklappt! Das Ergebnis sieht dann so aus:

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Auf so einer kleinen Insel hat man dann auch keinen großen Sightseeing-Stress. Obwohl es hier einen schönen Rundwanderweg um den Inland-Lake gibt, aber den nehme ich mir für morgen vor…

Mittwoch, 15.7.2015
17 Seemeilen

Ja, so ist es. Heute ist „Bergfest“. Ich habe zwar noch nicht den nördlichsten Punkt meiner Reise erreicht, aber die Hälfte der 3 Monate ist rum… Bisher hat ja alles wunderbar geklappt und so wird es auch weiter gehen!

Der Inselrundgang am Morgen hat sich dann sehr gelohnt. Etwas 1,5 Stunden. Gut ausgeschildert, über Stock und Stein. Keinen Menschen unterwegs getroffen. Nur am Ende den Teil einer Familie mit Hund, die mit Kajaks in den Schären unterwegs ist und auf Björkö gezeltet haben. Respekt. Bei viel Wind sind das hier doch schon Distanzen! Den angeblich auf der Insel befindlichen Elch, so berichtete mir die Finnin,  habe ich nicht angetroffen. Allerdings findet man wohl seine Hinterlassenschaften. Elche können ja recht weite Distanzen schwimmen. Wie soll er auch anders dorthin gekommen sein?

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Dann habe ich mich auf den Weg nach Utö gemacht. Unterwegs hat ein Schiff mein Fahrwasser gekreuzt, das mich doch sehr an mein Heimatrevier, das Ijsselmeer erinnert. Auch die Inga-Lill ist auf dem Weg nach Utö.

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Ein Angelstopp zwischendurch brachte keinen Erfolg … Aber auf Utö soll es ein Geschäft geben…

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Ob, wie und wohin es morgen weitergeht werde ich erst morgen früh entscheiden. Es gibt hier einfach zu viele tolle Optionen…

7 Gedanken zu “Von Hankö nach Utö

  1. Andrea Väisänen

    Lieber Rainer, bei deinen wunderbaren Bildern aus den Schären kommen eigene Geschichten wieder in Erinnerung…auch wenn ich dort nie gesegelt bin! Dein Haar in der Suppe kann ich nach empfinden. Ich freue mich immer über deinen Bericht, auch wenn ich nicht viel kommentiere oder Inseln zähle 😉 . Weiterhin alles Gute dir, bald sieht man sich wieder!

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  2. Glückwunsch zum durchbrechen der 1000 am Mauer.
    Es war wieder schön deinen Artikel zu lesen.
    Hab jetzt ne schwedische SimCard mit 3 Gb Datenvolumen
    Jetzt bringt Internet wieder Spaß
    Morgen lange Wanderung im Skulekogens Nationalpark.
    Hier zur Höga Kusten komme ich in einem Folgejahr auf jeden Fall wieder her.

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  3. Frank Rehmann

    Hallo, lieber Schwager!
    Vielen Dank für deine schönen Schilderungen des finnischen Schärengartens.
    Als buchhandelnde Schwägerin fällt mir der Tod im schärengarten ein, allerdings schwedisch .
    Wir reisen am Samstag nach callantsog, nicht mit Segelboot dafür mit Wohnwagen.
    Gute Nacht aus friedrichsfeld!
    😘

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