Von Ameland nach Warns

Samstag, 29 August 2015
41 Seemeilen

Planung ersetzt Zufall durch den Irrtum… Ich bin zwar um 7:50 Uhr, nur etwas nach der geplanten Zeit abgefahren, aber ich bin am Abend dann nicht in Terschelling gelandet, sondern auf Vlieland, der zweiten westfriesischen Insel, von Westen aus gesehen. Warum? Ganz einfach. Die erste Teilstrecke aus dem Hafen von Ameland hinaus ging zunächst gegen den einlaufenden Flutstrom. Da dieser mit gut 2 Konten an meiner Geschwindigkeit über Grund ordentlich abgeknapst hat, wäre ich erst recht spät am ersten Wattenhoch gewesen. Und ich musste noch zwei weitere davon auf meinem Weg nach Terschelling überqueren. Ein Wattenhoch ist eine Passage in einem Wattfahrwasser, das am höchsten trocken fällt und somit einen hohen Wasserstand zum Überfahren benötigt. Da das Wetter, der Wind und meine Laune gut waren, hatte ich mich dann kurzerhand entschieden, vorbei am Leuchtturm von Ameland einfach auf die Nordsee raus zu gehen und vor den Inseln dann direkt nach Vlieland zu segeln.

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Auf der Nordsee hatte ich den Strom mit mir, so dass ich auf dieser Teilstrecke dann etwas schneller voran kam. Nach 9 Stunden hatte ich Vlieland erreicht. Glücklicherweise waren noch genügend freie Liegeplätze vorhanden, was bei schönem Wetter in der Saison nicht immer so ist. Bei meinem letzten Besuch in Vlieland vor ca. einem Jahr sah es anders aus. Besonders schön ist es, einen Hafen auch bei Niedrigwasser anlaufen zu können, wie es in Vlieland der Fall ist. Dicht vorbei am Strand geht es zur Hafeneinfahrt und gegenüber liegen noch eine paar Plattbodenschiffe und warten auf das auflaufende Wasser. Herrlich!

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Nach dem Essen gab es noch einen kleinen Abendspaziergang ins Dorf. Mein Boot konnte ich bei der Rückkehr nicht verfehlen, bei der Stegbeleuchtung!

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Sonntag 30. August 2015
30 Seemeilen

Das Schicksal eines Seglers im Watt ist nun mal die Tide. So wurde es der dritte Morgen, an dem ich um 6 Uhr raus musste um nicht gegen den Ebbstrom ankämpfen zu müssen. Aber man ist dann nie alleine, anderen geht es genauso. Zunächst ging es aber zwei Seemeilen gegen den Strom, der mit 3 Knoten LuMMEL fast auf der Stelle stehen ließ. Auf dem Foto unten ist die Strömung sehr schön an der Fahrwassertonne zu erkennen. Später, als ich dann Richtung Konrwerderzand (da ist die Schleuse zum Ijsselmeer) das auflaufende Wasser mit mir hatte, wurde ich dann aber mit zeitweise über 9 Knoten Fahrt über Grund belohnt, 6 Knoten Fahrt durchs Wasser unter Segeln plus 3 Knoten Flutstrom. Geil war‘s! Unter unterwegs kam mir ein kleines Böötchen entgegen, welche Erinnerungen wach weden kieß. Eine Kolibri 520. Ein Sperrholzboot. Dieser Bootstyp war meine erste „Yacht“ nachdem ich die Scheine in der Tasche hatte…

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Ob schnell oder langsam. Am Ende trifft man sich immer an der roten Ampel wieder. In diesem Fall an der noch geschlossenen Schleuse. Da war es an einem sonnigen Sonntag natürlich besonders voll, alle mussten nach Hause, das Wochenende war vorbei.

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Die Schleuse in Kornwerderzand liegt am östlichen Ende des 1932 fertig gestellten Abschlussdeiches. Nach immer wieder verheerenden Sturmfluten in der früheren Zuiderzee entschloss man sich, diese von der Nordsee durch einen 7,5 Meter hohen, sturmflutsicheren Deich abzutrennen und dann weite Teile der Zuiderzee einzupoldern, also trocken zu legen. Seither heißt die Zuiderzee Ijsselmeer und ist ein Süßwassermeer mit einer Ausdehnung von 1.100 qkm und ist damit ca. doppelt so groß wie der Bodensee. Neben dem Wassersport hat das Ijsselmeer aber auch eine wichtige Bedeutung zur Wasserregulierung im doch arg flachen Holland sowie zur Trinkwassergewinnung.

Hindeloopen, mein heutiger Zielhafen war also mal ein echter Gezeiten-Hafen. Teilweise kann man das noch gut an den historischen Hafenanlagen erkennen. Heute ist hier nur noch Tourismus angesagt und der ist in Friesland der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

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Da ich ja nun dank des Abschlussdeiches nicht mehr in einem Gezeitenrevier bin, kann ich morgen ausschlafen, um dann frisch und munter die letzten Meilen meiner Reise zu meinem Heimathafen im Warns zu schippern.

Montag, 31. August 2015
8 Seemeilen

Morgen ist meteorologischer Herbstbeginn. Und es macht sich schon heute bemerkbar. Nicht von den Temperaturen her, die sind noch recht hoch, vielmehr vom tristen, regnerischen und grauen Erscheinungsbild der Landschaft und der See. Will mir das Wetter an meinem letzten Reisetag etwas sagen???

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Also musste ich tatsächlich auf den letzten paar Meilen meine Regensachen anziehen. Es wehte ein mäßiger Wind aus Nordost, so dass ich mit rund 3 Knoten die kurze Strecke von Hindeloopen zur Schleuse in Stavoren gemütlich segeln konnte.

Seekarten brauche ich hier eigentlich nicht, so vertraut sind mir nach nunmehr fast 20 Jahren Ijsselmeer-Segeln die Landmarken, der am Isselmmeer liegenden Orte wie Makkum, Stavoren, Workum, Lemmer, Medemblik, Enkhuizen, Hoorn und und und…

Dann ging es noch durch die Schleuse in Stavoren und die Brücke in Warns.

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Das kleine, aber schöne Revier für die Wochendsegelei hat mich nun wieder. Und ich freue mich schon, im nächsten Jahr die vielen schönen Orte hier neu zu entdecken.
Bis es vielleicht bald mal wieder auf große Fahrt geht…

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