Das Rätsel der Sandbank

„Ich muss mich mal ausruhen“, keuchte Carruthers. „Gut, ich denke, wir sind über die Wasserscheide hinweg“, sagte Davies. Wir hielten das Dingi an, und er stieß den Bootshaken an der Seite hinunter. Der glitt sanft nach achtern, und selbst mein verwirrter Verstand begriff, was das bedeutete.

Genau den Weg, den Carruthers und Davies mit dem Dingi der Dulcibella im Roman „Das Rätsel der Sandbank“ bei Nacht und Nebel, paddelnd Richtung Memmert nahmen, um mysteriöse militärische Vorgänge auf der Sandinsel Memmert auszuspionieren mussten wir auf unserer letzten Etappe auch nehmen: südlich von Juist entlang der Memmertbalje über das dortige Wattenhoch und weiter Richtung Memmert. Für uns ging die Reise aber noch weiter durch die Osterems und über ein 2. Wattenhoch in die Ems und dann bis Emden. Wir mussten glücklicherweise auch nicht paddeln, konnten sogar segeln und wir hatten im Gegensatz zu den beiden Engländern keinen Nebel sowie elektronische Navigationshilfen, die es 1904 zur Zeit der Romanhandlung noch nicht gab. Nur einige heftige Schauer hatten meine schon ältere Segelbekleidung undicht werden lassen, so dass ich bis auf die Knochen nass war, als wir Emden erreichten.


Auf Norderney, wo wir aus Richtung Helgoland zwei Tage zuvor ankamen, war dann auch genau der richtige Ort, um mir die beiden letzten Folgen der 10-teiligen Verfilmung des Romans anzuschauen, nachdem ich mir die vorherigen Folgen peu-á-peu während des Urlaubs angesehen hatte. Übrigens kann man sich die ganze Staffel (so sagt man wohl heute), der etwas antiquiert wirkenden Verfilmung auf Youtube anschauen. Für Nordsee-Segler ein echtes Muss!

Leider war die Etappe von Helgoland nach Norderney von wenig bis gar keinem Wind geprägt. Ich hatte zwar zwischendurch versucht, den wenigen Wind mit meinem Leichtwindsegel einzufangen, aber auch damit wäre die Reise einige Stunden länger ausgefallen. Als mussten wir zum größten Teil unsere Diesel-Genua – sprich den Motor – bemühen.

Auf Norderney verlebten wir dann einen wunderschönen letzten Insel-Urlaubstag. Mit Fahrrädern führte uns der Weg vorbei an der Marienhöhe, am Leuchtturm und über schnurgerade Deiche bis zum östlichsten Parkplatz der Insel (Ostheller). Von dort kommt man dann nur noch zu Fuß weiter, um das Wrack eines 1967 gestrandeten Heringkutters am Ende der Insel zu bestaunen und einen Blick auf die Nachbarinsel Baltrum zu werfen. Eine wirklich tolle Wanderung von rund 13 km durch herrliche Dünen und Salzwiesen und zurück über einen schier unendlich lang wirkenden Strand. Leider ging dann der ansonsten sehr sonnige Tag mit heftigen Unwettern zu Ende.

Diesen letzten Bericht schreibe ich im IC auf dem Weg von Emden nach Hause. Das Boot liegt nun für einige Zeit in Emden, bevor es vermutlich im September wieder zurück an den angestammten Liegeplatz nach Warns in Holland geht.

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